Die Lokalzeitungskrise ist eine demokratische Herausforderung

(Bildquelle: SWR/Kultur)
(Bildquelle: SWR/Kultur)

Lokale Tageszeitungen befinden sich im Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser. Nur noch wenige sind bereit, für Journalismus zu zahlen. Wenn Zeitungsverlage ihre Zustellbezirke verkleinern, kündigen viele endgültig.

Dennis Rink, Chefredakteur der Mainzer Allgemeinen Zeitung, sieht hier eine Gefahr für die Demokratie: „Ich glaube, dass eine Demokratie ohne Lokaljournalismus nicht funktioniert, weil wir diejenigen sind, die vor Ort berichten.“

Die „Lokalzeitungskrise“ bezeichnet den Rückgang vieler regionaler und lokaler Zeitungen durch sinkende Auflagen, Werbeeinnahmen und die Konkurrenz digitaler Medien. In vielen Regionen verschwinden Lokalredaktionen oder ganze Zeitungen, wodurch sogenannte „Nachrichtenwüsten“ entstehen.

Die demokratische Kontrolle wird schwächer: Journalisten überwachen die Arbeit von Politik und Verwaltung. Ohne lokale Medien werden Missstände, Korruption oder Fehlentscheidungen seltener aufgedeckt.

Wissenschaftliche Studien (wie z. B. Untersuchungen der Bertelsmann Stiftung) bestätigen, dass eine fundierte Berichterstattung über lokale Themen die Wahlbeteiligung und das politische Engagement nachweislich erhöht. Durch gezielte Informationen vor der Haustür erkennen Bürger, dass ihr Mitwirken vor Ort eine konkrete Auswirkung auf ihr direktes Lebensumfeld hat.

Die lokale Identität leidet in nicht zu unterschätzendem Maße. Lokalzeitungen berichten über Vereine, Kulturveranstaltungen und das gesellschaftliche Leben. Ihr Rückgang schwächt das Gemeinschaftsgefühl einer Region. Der öffentliche Diskurs nimmt ab.

„Das Tragische mit dem Lokaljournalismus ist, dass seine Relevanz und Bedeutung sich leider häufig erst dann so richtig zeigt, wenn er nicht mehr vorhanden ist“, sagt Prof. Dr. Christopher Buschow von der Hamburg Media School in der aktuellen Ausgabe des SWR Podcasts „Was geht – was bleibt?“ und bringt damit das große Problem auf den Punkt.

Das Smartphone-Zeitalter bedeutete für die Print-Medien den Zusammenbruch: Junge Menschen konsumieren Informationen heute meistens gratis über Portale wie TikTok oder YouTube. Sie lesen Emojis mittlerweile oft flüssiger als gedrucktes Wort. Warum also für lokalen Journalismus noch bezahlen?

Das hat im Zusammenwirken mit der Regionalisierung im Internet dafür gesorgt, dass den Zeitungen die Anzeigenkunden im großen Stil weggebrochen sind. 

Der freie Markt regelt das zu Lasten der Lokal- und Regionalmedien. Zugunsten digitaler Anzeigenplattformen und Sozialer Medien.

Die Menschen, die sich vor Ort engagieren, sind die Leidtragenden. 

Für den früheren Zeit-Chefredakteur Roger de Weck gibt es nur eine Chance, wie der Lokaljournalismus in Ost und West dauerhaft zu retten ist: mit einer Finanzierung durch den Staat. Für viele ein Tabu, denn ein staatlich geförderter Journalismus könne letztendlich kein unabhängiger Journalismus sein.

Die Gefahr sieht de Weck nicht zwingend. Im SWR-Podcast nennt er Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark als positive Beispiele, wie es funktionieren kann: „Die sind Spitze in der Rangliste der Medienfreiheit von Reporter ohne Grenzen. Und sie sind Spitze im Medienvertrauen.“

Man habe in den skandinavischen Ländern unabhängige Instanzen etabliert, die gemäß fester Regeln automatisch das Geld vergeben. „Und dann bleibt die Medienfreiheit oder sie wird sogar größer.“

Lokaljournalismus – Aufgaben und Chancen

Quellenhinweise:

Kampf um Werbekunden und gegen Einflussnahme von rechts: Es brennt im Lokaljournalismus, 9.10.2024, Julian Burmeister, SWR/Kultur

Lokalzeitungen in der Krise: Was bedeutet das für unsere Gesellschaft?, 26.11.2024, Friederike Westerhaus, NDR/Kultur-Journal