Hermann Rieser – Vom Tellerwäscher zum gefeierten Bildhauer

Hermann Rieser (Foto: Knut Kuckel)
Hermann Rieser (Foto: Knut Kuckel)

Aus seiner Ausbildungszeit an der Fachschule für Bildhauerei im bayerischen Berchtesgaden sind noch drei Werkstücke erhalten. Sie zeigen sein frühes handwerkliches Können. In der aktuellen Ausstellung ist davon „Der Freiheitskämpfer“ zu sehen. Riesers Werkstück für die Abschlussprüfung.

Seinen Aufenthalt in der Berchtesgadener Bildhauer-Schule finanzierte Hermann durch Arbeiten als Tellerwäscher, Haus- und Schankgehilfe im Hotel „Krone“.

Selbstbildnis Hermann Rieser, 1983 (Foto: Knut Kuckel)
Selbstbildnis Hermann Rieser, 1983 (Foto: Knut Kuckel)

Sohn Klaus Rieser erzählt, dass sein Vater Hermann sich noch fünf Tage vor seinem Tod an einem Selbstbildnis versuchte. „Aus Unzufriedenheit über das Ergebnis legte er die Arbeit unter seine Werkbank. Sie sollte später mit anderen Holzabfällen verheizt werden.“ Heute – so Klaus Rieser – sei er froh, dass er die Vernichtung des Selbstportraits verhindern konnte. Ein Portrait, reduziert auf das Gesicht eines älteren Mannes, dessen Lebensgeschichte sich nur erahnen lässt. Hermann Rieser stirbt am 16. Januar 1983 im Alter von 66 Jahren in Natters.

Hermann Rieser wäre heute über 100 Jahre alt. (Foto: Knut Kuckel)
Hermann Rieser wäre heute über 100 Jahre alt. (Foto: Knut Kuckel)

Die Obsteiger feierten gerade die „Heiligen Drei Könige“ als Josefa Rieser am 6. Januar 1917 in Gschwent ihren Sohn Hermann zur Welt brachte. Zu dieser Zeit ein uneheliches Kind zur Welt zu bringen war gesellschaftlich nicht einfach. Doch die Dinge wendeten sich schon drei Jahre später zum Guten. Josefa heiratet im September 1920 Johann Krug aus Wildermieming.

Die junge Familie lebt in bescheidenen Verhältnissen aus den Erträgen einer kleinen Landwirtschaft und den zusätzlichen Einkünften Johanns als Holzfäller und Tischlerei-Gehilfe. In den Folgejahren bekommen Josefa und Johann noch drei weitere Kinder. Sie werden auf die Namen Frieda, Emma und Johann getauft.

Luzia Krug (Foto: Knut Kuckel)
Luzia Krug (Foto: Knut Kuckel)

„Viel war nicht mehr aus der Kindheit Hermann Riesers zu erfahren“, sagte Luzia Krug, die gemeinsam mit Hannah Müller die Lebensgeschichte des Obsteigers erfasst hat. „So gut es ging“, so Luzia Krug bei der Vernissage am Freitag, den 8. Juni vor großem Publikum. „Unser anfängliches Ziel, ein vollständiges Werkverzeichnis zu erstellen, haben wir nicht erreicht. Der Künstler machte keinerlei Aufzeichnungen über seine Werke. Auch nicht über Aufträge oder Verkäufe.“

Chronikteam der Gemeinde Obsteig (Foto: Knut Kuckel)
Chronikteam der Gemeinde Obsteig (Foto: Knut Kuckel)

Das Chronikteam der Gemeinde Obsteig – um Sabine Ortner, Herbert Krug, Klaus Rieser und Johannes M. Faimann – beauftragten Luzia Krug und Hannah Müller mit der Spurensuche. „Hermann Rieser ist Themenschwerpunkt unserer Chronistenarbeit in diesem Jahr“, sagt Chronistin Sabine Ortner. Seine Lebensgeschichte gibt eine reich bebilderte Broschüre wieder. Herausgegeben im April 2018 von Luzia Lilith Krug.

Die Gemeinde Obsteig verdankt auch ihr von 1977 stammendes Wappen Hermann Rieser. Das Gemeindewappen von Obsteig zeigt eine grüne Lärche auf goldenem Grund und am Schildfuß die Zinnen der Burg Klamm.

Ausstellung „Retrospektive Rieser“ im Stadel Schneggenhausen (Foto: Knut Kuckel)
Ausstellung „Retrospektive Rieser“ im Stadel Schneggenhausen (Foto: Knut Kuckel)

Die engagierten Chronisten der Gemeinde Obsteig luden am Freitag, den 8. Juni 2018 zur Eröffnung der Ausstellung „Retrospektive Rieser“ ein. Bis Sonntag, 17. Juni ist die Rieser-Ausstellung im Stadel Schneggenhausen zu sehen.

„Mit den Einnahmen aus den freiwilligen Spenden hoffen wir, die Obsteiger Brunnenfiguren restaurieren zu können“, sagte Herbert Krug und erzählte den Gästen von gemeinsamen Erlebnissen mit seinem Onkel Hermann Rieser.

„In der Gemeinde Obsteig gibt es fast in jedem Weiler oder Ortsteil einen Brunnen“, erzählt Luzia Krug. „Das Besondere daran ist, dass fast alle Brunnenfiguren von Hermann Rieser stammen.“ (Foto: Knut Kuckel)
„In der Gemeinde Obsteig gibt es fast in jedem Weiler oder Ortsteil einen Brunnen“, erzählt Luzia Krug. „Das Besondere daran ist, dass fast alle Brunnenfiguren von Hermann Rieser stammen.“ (Foto: Knut Kuckel)

Damit revanchierte sich der Künstler Hermann Rieser bei seiner Gemeinde für einen Bauplatz in der Mooswaldsiedlung. Die Brunnenfiguren sind in den 1960er/-70er Jahren geschaffen worden. Die letzte widmete Rieser 1975 einem Brunnen in Gschwent.

Es lohnt sich im Raum Obsteig auf Spurensuche nach den Brunnenfiguren Hermann Riesers zu gehen. Der „Heilige Florian“ steht am Dorfbrunnen im Weiler Wald. Nach Großbränden in den Jahren 1881 und 1927 sollte Florian fortan den Weiler Wald vor weiterem Unheil bewahren.

Die Skulptur einer offensichtlich ebenso fleißigen wie bodenständigen Bäuerin schmückt einen Brunnen im Weiler Thal. Schon ein wenig verwittert, aber gerade deshalb von schlicht anmutender Schönheit. Die Bäuerin mit Sichel symbolisiert die Heilige Notburga. Weitere Brunnenfiguren spürten Luzia Krug und Hannah Müller in Finsterfiecht, Aschland und Unterstrass auf.

„Das Christus-Gesicht“ schmückt die Grabstätte des Pfarrers Qualbert Thöni. Die Vorlage gehl auf Riesers Ausbildungszeit zurück. (Foto: Knut Kuckel)
„Das Christus-Gesicht“ schmückt die Grabstätte des Pfarrers Qualbert Thöni. Die Vorlage gehl auf Riesers Ausbildungszeit zurück. (Foto: Knut Kuckel)

Die Arbeit verbindet die künstlerische Unmittelbarkeit des Ausdruckes mit großem handwerklichem Geschick und Genauigkeit in der Ausführung und ist nach Ansicht des Verfassers somit typisch für Hermann Riesers wesentlichste Werke.

Klaus Rieser gelang es, das Selbstbildnis seines Vaters zu bewahren, der Bildhauer selbst war mit der Arbeit nicht zufrieden und wollte sie zusammen mit Holzresten verheizen.

Klaus Rieser, Sohn des Bildhauers (Foto: Knut Kuckel)
Klaus Rieser, Sohn des Bildhauers (Foto: Knut Kuckel)

Hermann Riesers Figuren begegnet der Suchende darüber hinaus auch in kirchlichen Einrichtungen. Der Heilige Josef findet sich in barockem Stil in der Obsteiger Kirche. Riesers Schaffensdrang scheint aus heutiger Betrachtung unermesslich. Er restaurierte auch Figuren in den Obsteiger Kapellen, beispielsweise in Thal.

Die Arbeiten Hermann Riesers hinterlassen ausdrucksstarke Spuren in seiner Heimat. (Foto: Knut Kuckel)
Die Arbeiten Hermann Riesers hinterlassen ausdrucksstarke Spuren in seiner Heimat. (Foto: Knut Kuckel)

Im Stadel Schneggenhausen zu sehen sind neben schon erwähnten Werken auch Holzmasken, geschnitzt für Brauchtumsveranstaltungen und Krippen. Drei davon aus dem Privatbesitz seines Sohnes Klaus Rieser. Die Vierte schmückt alljährlich das Wohnzimmer Hermann Riesers Schwägerin, Katharina Krug. Sie kam mit Riesers Schwester Emma Auer zur Vernissage der Retrospektive „Rieser“.

Weblink: Vernissage der Hermann Rieser Retrospektive, ObsteigAktuell, 9. Juni 2018

Hermann Rieser – Vom Tellerwäscher zum gefeierten Bildhauer (Fotos: Knut Kuckel)

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