Auf- und Abbau des Heiligen Grabes in der Pfarrkirche Untermieming war für eine Frau und acht Männer mehr als ein gesellschaftliches Ereignis. „Dabei zu sein, ist eine Ehre für jeden von uns“, sagte der 73jährige Erich Krug. Er war immer schon dabei.
Für Markus Kniepeiß, den Restaurator des „Auferstandenen“, war es das erste Mal. Er kennt sie alle, die Einzelteile des Heiligen Grabes, und kann sie bis ins Detail genau beschreiben. Beim anschließenden Betrachten aller Kunstwerke, insbesondere eines Kreuzes, sagte er im Gespräch: „Das müsste ich auch mal wieder restaurieren.“

Die Grabkulisse, das Heilige Grab, ist in der Osterwoche in der Pfarrkirche „Zu unser Lieben Frau Mariä Himmelfahrt in Untermieming“ anzuschauen. „Es wird vermutet“, erzählt Peter Kniepeiß, „dass der in Nord- und Südtirol arbeitende Maler und Restaurator Jonas Rantner (1860 – 1931) um 1900 unser Ostergrab geschaffen hat.“
Ostern – das Heilige Grab zeigt die Leidensgeschichte Christi
Mehrere auf Leinwand gemalte und auf Holzrahmen gespannte Kulissenteile werden noch vor dem Palmsonntag zu einem Heiligen Grab in der Pfarrkirche Untermieming zusammengebaut und aufgestellt. Heute wird es wieder in seine Einzelteile zerlegt und nahe der Kirche bis zum nächsten Jahr aufbewahrt.
„Das Heilige Grab wird üblicherweise noch vor Palmsonntag aufgebaut“, sagt Elfriede Seelos, die Mesnerin. „Heuer wurde eine Hochzeit gefeiert und das Grab konnte erst danach aufgebaut werden.“ Das Heilige Grab veranschaulicht mit eindrucksvollen Bildern die Leidensgeschichte Christi.
Helmut Happ sieht mit geübtem Blick auf meinen Rucksack und mahnt: „Du musst Dich beeilen, wenn Du noch das Heilige Grab einigermaßen komplett fotografieren möchtest. Das geht in ein paar Minuten nicht mehr.“

Ich zeigte mich einigermaßen entspannt, denn ich durfte das Heilige Grab ja schon in der Osterwoche fotografieren. In seiner vollen Pracht.

Etwas später sieht man schon leuchtend im Hintergrund den Gekreuzigten durch das offene Fenster. Der Altar wird wieder sichtbar. In der Osternacht – von Karfreitag auf Ostersonntag – ist die Fensteröffnung der angestammte Platz des Auferstandenen. Der wartet in diesen Minuten auf dem Altar auf seinen Abtransport. Geschützt in einem Holzkasten wird er bis zum Palmsonntag im kommenden Jahr an einem sicheren Ort aufbewahrt.

Auf den Holzrahmen stehen auf den Rückseiten Kürzel wie ANF 1 bzw. ANF 2, VL 2, HR 3, L 2, HL 3 – sie helfen die verschiedenen Teile wieder richtig zusammenzusetzen. Ganz eindeutig – und für den Laien ebenfalls erkennbar – die Rahmen-Aufschriften: RECHTS, MITTE oder LINKS Nord.

Die Arbeit ist getan. Wir schauen auf unsere Armbanduhren und zur Sicherheit noch einmal auf die Kirchturmuhr. Der Abbau des Heiligen Grabes dauerte weniger als nur eine Stunde. Hut ab!
Die aller letzten Kisten werden hinausgetragen und Toni Schneider inspiziert den Altarraum. „Alles ist wieder so, wie es sein soll.“ Elfriede Seelos fing schon nach dem Abtransport der letzten Holzrahmen mit dem Aufräumen am Altarraum an. Toni Schneider ist Teil der Kirche in Untermieming. Er war bei den Renovierungsarbeiten von 2002 bis Ende April 2006 aktiv beteiligt.
Wir bitten alle Beteiligten beim Abbau des Heiligen Grabes um ein Erinnerungs-Foto.

Abbau des Ostergrabes – ein gesellschaftliches Ereignis (Fotos: Knut Kuckel)


