Demokratie stärken – weniger Sonntagsreden, bitte!

(Bild: Adobe Stock / Julian Schäpertöns)
(Bild: Adobe Stock / Julian Schäpertöns)

Wir empören uns. Das ist Teil unserer Kultur. Für die Opfer von Gewalttaten, zünden die Anständigen Kerzen an. Beten und halten Andacht. Es sind nur Minderheiten. Die Mehrheit schaut kopfschüttelnd zu.

Wenn man das, was unsere Gesellschaft tagtäglich an Nachrichten produziert zur Kenntnis nimmt, wächst der Eindruck, dass wir in einer zunehmend unmenschlichen Gesellschaft leben. 

 Studien wie das „Sorgenbarometer“ und der „Deutschlandtrend“ zeigen zu Beginn des Jahres 2026, dass fünf von sechs Deutschen beunruhigt auf die Verhältnisse im Land blicken. Ein Großteil der Bevölkerung geht pessimistisch in das Jahr 2026.

Rund 75 bis 76 Prozent der Menschen in Deutschland sind der Überzeugung, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet ist und die Gesellschaft immer mehr auseinanderfällt. Experten warnen vor einer zunehmenden „Entsolidarisierung“ oder gar „sozialen Eiseskälte“.

Die tägliche Flut an Nachrichten über Kriege, politische Instabilität und wirtschaftliche Krisen führt bei vielen zur Nachrichtenvermeidung (News-Avoidance) da der Konsum oft Gefühle von Hilflosigkeit, Stress und Pessimismus verstärkt. Dieses Phänomen wird auch als „Mean World Syndrome“ bezeichnet – die Tendenz, die Welt aufgrund negativer Berichterstattung als gefährlicher und egoistischer wahrzunehmen, als sie oft ist. 

Wollen wir das?
Die klare Antwort aus der Zivilgesellschaft lautet: Nein.

Es gibt ein wachsendes Interesse an „konstruktivem Journalismus“, der nicht nur Probleme benennt, sondern Lösungen und Fortschritte aufzeigt, um Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.

Trotz des Gefühls der Spaltung herrscht in Deutschland oft ein überraschend breiter Konsens darüber, dass soziale Ungleichheit das größte Problem ist und bekämpft werden muss.

Die aktuelle politische Debatte fordert verstärkt einen „Reformmut“, um demokratische Institutionen zu stärken und dem Gefühl der Ohnmacht entgegenzuwirken.

Die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einer menschlichen, solidarischen Gesellschaft und der medial vermittelten Wahrnehmung einer krisengeschüttelten Welt bleibt eine der größten psychologischen und politischen Herausforderungen des Jahres 2026.

Freiheit, Demokratie, Recht und Wohlstand hat seine Grenzen. Weil eine auf Wachstum ausgerichtete Politik- und Gesellschaftsform immer mehr haben möchte als sie braucht, verletzt sie täglich, weltweit, rund um die Uhr, die Regeln des menschlichen Miteinanders.

Die Stärkung der freiheitlichen Demokratie erfordert umfassende Reformen in Wirtschaft, Bildung, Soziales und Kultur, getragen von gesellschaftlichem und politischem Mut. Eine wehrhafte Demokratie baut auf Rechtsstaatlichkeit, Solidarität und dem Schutz von Grundrechten auf, wobei die Gemeinschaft bei Überforderung des Einzelnen unterstützend eingreift. Wesentliche Pfeiler sind Transparenz, Partizipation und Minderheitenschutz. 

Die Stärkung der Demokratie ist ein kontinuierlicher Prozess, der Mut zu Veränderungen erfordert. 

Der Ruf nach weniger Sonntagsreden und mehr Handeln verdeutlicht die Forderung, politische Rhetorik durch konkrete Taten zu ersetzen, etwa im Kampf gegen Extremismus, bei dem oft Taten vermisst werden. Es geht um den Wunsch nach sichtbaren Ergebnissen, sei es in der Politik oder im Wirtschaftsleben, statt nur bei Ankündigungen.

Weniger Sonntagsreden, bitte!

Die Forderung richtet sich allgemein gegen populistische Ansätze und für eine Politik der Verbindlichkeit.