Mittenwald ist eines der wichtigsten Zentren des europäischen Geigenbaus. Die Tradition reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück und wurde maßgeblich von Matthias Klotz begründet. Die Familie Klotz etablierte eine ganze Geigenbau-Dynastie.
Um 1750 war der Name Klotz schon weltweit bekannt und die Mittenwalder Instrumente ein Exportschlager. 1764 schrieb Leopold Mozart, “dass Paris und London mit Mittenwalder Geigen voll sind.”
Begonnen hatte alles mit Mathias Klotz, geboren 1653 in Mittenwald. Als armer Jugendlicher war er in die Ferne ausgezogen und kehrte zurück als Mann, der es zu Wohlstand brachte und den Ort bis zum heutigen Tag prägt.
Dank einer Handelsroute war Mittenwald eng mit Venedig verbunden. Mathias Klotz arbeitete von 1672 bis 1678 als Geselle in einer berühmten Lautenbauwerkstatt in Padua. Klotz’ Rückkehr in seinen Geburtsort war eine kluge wirtschaftliche Entscheidung. Hier gab es keine Zunftbeschränkungen für den Instrumentenbau, über die Handelsstraße konnte er Rohstoffe ein- und Instrumente verkaufen. Praktisch vor der Haustür konnte Klotz genügend Bäume schlagen, die gutes Tonholz lieferten, um den Hunger des Spätbarocks nach neuen Instrumenten zu stillen.
Die Qualität seiner Geigen war weithin bekannt. Sein Können gab er in einer fünfjährigen Lehrzeit an Mittenwalder Schüler weiter, vor allem aber an seine Söhne und Enkel.

Bis heute gibt es in Mittenwald Werkstätten und die staatliche Geigenbauschule. Instrumente aus Mittenwald genießen weltweit hohes Ansehen für ihren warmen, klaren Klang. Besucher können Werkstätten besichtigen oder im Geigenbaumuseum die Geschichte dieses Handwerks entdecken.

Die Lüftlmalerei, eine Kunstform des 18. Jahrhunderts, erblühte besonders im Alpenraum. Die reiche Geschichte Mittenwalds, eingebettet in den Handelsweg zwischen Venedig und Augsburg, prägt auch die Lüftlmalerei. Diese Kunst inspirierte die Augsburger Fassadenmaler, die wiederum ihren Stil ins Voralpenland brachten. So entwickelte sich in Mittenwald und Oberammergau eine eigenständige alpine Handschrift.
Im Isartal begann die Lüftlmalerei mit der Bemalung des Kirchturms der Pfarrkirche St. Peter und Paul im Jahr 1746. Die Augsburger Künstler um Matthäus Günther schufen eine Illusion aus Triumphbögen und Figuren, die scheinbar mit der Architektur verschmelzen.

Ein weiteres wichtiges Handwerk ist die kunstvolle Maskenschnitzerei, eng verbunden mit alpenländischen Bräuchen. Besonders bekannt sind Masken für Fasnacht und Perchtenläufe. Schnitzer fertigen aus Holz ausdrucksstarke, oft furchteinflößende Gesichter. Jede Maske ist ein Unikat und spiegelt regionale Mythen und Traditionen wider. Diese Masken werden bei traditionellen Umzügen getragen und sind ein lebendiger Teil der lokalen Kultur.

Geigenbau steht für musikalische Perfektion, Maskenschnitzerei für lebendiges Brauchtum und die Lüftlmalerei für visuelle Schönheit. Gerade diese Kombination macht den Ort zu einem besonderen kulturellen Zentrum in den Alpen.
Mittenwald – Geigenbauer, Maskenschnitzer und Lüftlmaler (Fotos: Knut Kuckel)
