Die katholischen Christen in Untermieming feierten „Maria Himmelfahrt“. Es symbolisiert die Hoffnung auf Auferstehung und das ewige Leben. Die Kräuterweihe und Prozession waren Höhepunkte des Feiertages.

Warum zu Maria Himmelfahrt Kräuter geweiht werden, erzählt die Legende. Es heißt, als die Gottesmutter gestorben war, kamen die Apostel drei Tage später an ihr Grab, doch das Grab war leer. Maria war mit Seele und Leib in den Himmel aufgenommen worden. Doch aus dem Grab strömten die Düfte von Rosen und Lilien, vermischt mit dem Duft von Heilkräutern.

In der Katholischen Kirche wird der Brauch vor allem als Ausdruck für die Achtung vor der Schöpfung und der Heilkraft der Kräuter gesehen.

Der Telfer Franziskaner René Dorer ging in seiner Predigt auf die Bedeutung des Maria gewidmeten Hochfestes ein. (Foto: Knut Kuckel)
Der Telfer Franziskaner René Dorer ging in seiner Predigt auf die Bedeutung des Maria gewidmeten Hochfestes ein. (Foto: Knut Kuckel)

Der Kranz als Symbol des Erfolges und des Triumphes signalisiere die Unbesiegbarkeit der Frau. Eine Bestimmung des Menschen sei, „Sieger zu sein“. Das gebe ihm die Kraft, sich den unterschiedlichsten Herausforderungen des Lebens immer wieder aufs Neue zu stellen und sei seiner Auffassung nach Gottes Wille.

Dabei betonte der Franziskaner „Jeder einzelne Schritt sei das eigentliche Erlebnis.“

Bruder René zeigt auf die Marien-Statue unweit des Altares und sagte, „Zählt nach. Es sind wirklich zwölf Sterne.“ (Foto: Knut Kuckel)
Bruder René zeigt auf die Marien-Statue unweit des Altares und sagte, „Zählt nach. Es sind wirklich zwölf Sterne.“ (Foto: Knut Kuckel)

Zwölf Sterne zierten den Kranz von Maria. Die Zahl „12“ habe schon immer für die Menschen eine besondere Bedeutung. Jesus erwählte aus dem Kreis seiner Gefolgsleute zwölf Männer, die in den Evangelien als die zwölf Apostel beschrieben werden, in Anlehnung an die zwölf Stämme Israels, von denen im Alten Testament erzählt werde.

Die von den Mieminger Bäuerinnen gebundenen Kräuterbüschl enthalten deshalb 12 Kräuter. In Körben werden sie vor dem Gottesdienst am Altar ausgelegt und nach der Messe verteilt. (Foto: Knut Kuckel)
Die von den Mieminger Bäuerinnen gebundenen Kräuterbüschl enthalten deshalb 12 Kräuter. In Körben werden sie vor dem Gottesdienst am Altar ausgelegt und nach der Messe verteilt. (Foto: Knut Kuckel)

Bei der anschließenden Prozession tragen die Bäuerinnen die gesegneten Kräuter von Altar zur Altar, um sie schließlich am Ende der Prozession kostenlos zu verteilen.

„Solange unser Vorrat reicht“, so die Ortsbäuerin Barbara Spielmann, „verschenken wir ein Büschl pro Familie. 210 Kräuterbüschl halten wir in unseren Körben bereit.“

Höhepunkte an Maria Himmelfahrt sind Kräuterweihe und Prozession. (Foto: Knut Kuckel)
Höhepunkte an Maria Himmelfahrt sind Kräuterweihe und Prozession. (Foto: Knut Kuckel)

Einen Tag vor Maria Himmelfahrt trafen sich die Mieminger Bäuerinnen in der Parrei Untermiemint zum Kräuterbuschen binden.

An Maria Himmelfahrt wird das Kräuterbündel gesegnet und anschließend im Haus, im Herrgottswinkel, aufgehängt. In Tirol gilt der 15. August, an dem wir Maria Himmelfahrt feiern, als „Frauentag“.

Kräuterbuschen binden mit den Mieminger Bäuerinnen (Foto: Knut Kuckel)
Kräuterbuschen binden mit den Mieminger Bäuerinnen (Foto: Knut Kuckel)

Maria-Himmelfahrt – am 15. August – ist der Auftakt zur wichtigsten Kräutersammelzeit des Jahres. Heilpflanzen, die während dieser Zeitspanne gesammelt werden, übertreffen alle anderen Kräuter an Kraft und Wirkung – mit Ausnahme der Johanniskräuter, die bereits zur Sommersonnenwende gepflückt werden. Die Kräuter finden Verwendung in der homoöpathischen Medizin, werden sehr häufig in der getrockneten Form als Tee verwendet.

Kräuterbüschl binden vor Maria Himmelfahrt (Fotos. Knut Kuckel)

Um den 15. August herum stehen die Kräuter in ihrer Hochblüte. Sie duften sehr intensiv und sind besonders wertvoll. „Jetzt sollten die Kräuter gesammelt werden“, erklärt Daniela Kapeller, die Kräuterexpertin unter den Mieminger Bäuerinnen. Bis Mitte August entfalten die Kräuter ihre Wirkstoffe. Die Zeit der Kräuter endet spätestens Mitte September. Im Herbst.“

Mindestens sieben Kräuter sollten in die Sträuße. Die Kräuterbüschl bestehen in Tirol – je nach Region – aus 7, 9, 12 oder 15 Kräutern.

„Heuer haben wir uns für 12 Kräuter entschieden“ sagt Verena van Staa, die Ortsbäuerin Stellvertreterin. Die Kräuter sind den 12 Aposteln gewidmet. Als besonders gelten der Ysop und das Johanniskraut. „Das sind nach unserem Verständnis heilige Kräuter“, erläutert Daniela Kapeller. „Dann kommen noch hinzu: Salbei, Schafgarbe, Ringelblume, Lavendel, Minze, Zitronenmelisse, Wermuth, Malve, Sonnenhut und Bergbohnenkraut. Die Mitte ziert eine Königskerze.“

Während der Prozession tragen Kinder eine Kräuter-Tafel mit der Aufschrift: „Blumen und Kräuter sind das Lachen der Erde“.

Die geweihten Kräuter sollen vor allem vor Krankheiten schützen, aber auch für Eheglück, Kindersegen und vieles mehr hilfreich sein. In den Rauhnächten, zu Heiligabend und Silvester, werden die Kräuter den Rauchkesseln beigemischt. Sie sollen Glück und Segen über das Haus bringen.

Den Einzug in die, Maria geweihte Pfarrkirche in Untermieming, führte die Musikkapelle Mieming an. Stabführer war Stefan Pickelmann. Den musikalischen Teil des Gottesdienste gestaltete die Chorgemeinschaft Mieming unter der Leitung von Armin Falch. Nach Messe und Prozession lud die Familie Oberdanner zum Festschmaus in den Hof am Gasthaus Stiegl ein. Dazu spielten die Mieminger Musikanten.

Bruder René Dorer gehört seit 1996 dem Franziskanerorden in Telfs an. Der Seelsorger ist durch seine Teilnahme an Marathon-Läufen im ganzen Land bekannt. Sport diene der Gesundheit, so seine Auffassung. Ein gesundes Herz sei zudem Abbild jeden Glaubens.

Maria Himmelfahrt – „Jeder Schritt ist das Erlebnis (Fotos: Knut Kuckel)