Journalistische Glaubwürdigkeit ist ein hohes Gut

(Knut Kuckel)
(Knut Kuckel)

Eine gespaltene, aufgehetzte Öffentlichkeit bekommt, was sie ohnehin schon glaubt. Insbesondere in digitalen Medien und den klassischen Medien führen diese Phänomene zu einer Fragmentierung, bei der der gemeinsame gesellschaftliche Diskurs verloren geht.

Prof. Dr. Michael Göring, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Hamburg: „Wir brauchen kritischen, vielfältigen und sorgfältigen Journalismus für unseren funktionierenden demokratischen Staat. Die fundamentalen Umbrüche der Medienlandschaft und die verschlechterten Arbeitsbedingungen vieler Journalistinnen und Journalisten haben uns aufgerüttelt. Wir wollen dazu beitragen, Meinungsvielfalt zu erhalten.“

Journalistische Glaubwürdigkeit ist das Fundament einer informierten Gesellschaft und unerlässlich für demokratische Prozesse.

Journalistinnen/Journalisten werden von der Gesellschaft gebraucht, weil sie Transparenz herstellen, weil sie Hintergründe beleuchten, Missstände aufdecken, Zustände möglichst objektiv in ihren Widersprüchen aufdecken, Menschen in ihrer komplexen Persönlichkeit vorstellen und, nicht zuletzt, auf der Grundlage von recherchierten Fakten und veröffentlichten Statements die richtigen Fragen stellen.

Ihre Aufgabe ist es nicht, Politikern von Nutzen zu sein. Übrigens auch nicht Konzernvorständen, Fußballvereinsvorsitzenden, Museumsdirektoren oder Theaterintendanten.

Die Säulen journalistischer Glaubwürdigkeit:

Faktenprüfung: Aussagen müssen vor der Veröffentlichung durch verlässliche Recherchen abgesichert werden.
Trennung von Meinung und Bericht: Nachrichten müssen objektiv und neutral bleiben, während Kommentare klar als solche gekennzeichnet werden.
Transparenz: Die Offenlegung von Quellen sowie die Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung sind essenziell.
Unabhängigkeit: Journalisten dürfen sich nicht von politischen oder wirtschaftlichen Interessen vereinnahmen lassen.

Journalistinnen/Journalisten haben keinen guten Ruf. Im Ansehen rangieren sie noch unter Politikern und Gewerkschaftern.

Der Boulevardjournalismus prägt das Bild des Journalisten. Es gibt Journalisten, die ihrem schlechten Ruf gerecht werden und solche, die ihn nicht verdient haben!

Nah dran, immer aktuell, gut informiert – und das möglichst objektiv.

So wollen sie sein, die Journalisten. Sind sie aber nicht.

Das zumindest behaupten viele Befragte.
„Die sind zu aufdringlich und erzählen Geschichten, die gar nicht wahr sind.“
„Sie repräsentieren überwiegend die Meinung der Mächtigen.“
„Sie müssen sich verkaufen. Und das ist für mich nicht das, was, sag ich, von einem Journalisten erwarte.“

Prof. Hans Mathias Kepplinger: „Wenn Journalisten Journalisten kritisieren, dann machen die Journalisten natürlich die Bevölkerung auf Fehler im Journalismus aufmerksam. Und das schlägt sich, auch wenn die Absicht der Kritik sinnvoll und vernünftig ist, negativ auf das Image der Journalisten nieder.“

Journalistische Glaubwürdigkeit ist ein hohes Gut.

Journalistinnen/Journalisten werden von der Gesellschaft gebraucht. Sie sollten immer mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen können.