Nur einen kleinen Augenblick war die Kirche unbewacht. Der Dieb hat ihn genutzt. X-Mal wurde in der Kirche schon der Opferstock aufgebrochen. Altarkerzen wurden gestohlen, Glühbirnen aus den Strahlern. Vor Kirchendieben ist nichts sicher.
Wenn in Kirchen geklaut wird (etwa aus dem Opferstock oder historische Kunstschätze), hat das oft zur Folge, dass Kirchen tagsüber für Menschen, die Ruhe oder Trost suchen, abgeschlossen werden müssen.
Opferstöcke in Kirchen wurden freilich schon immer aufgebrochen, wobei hier der Sachschaden am Gehäuse meist deutlich über dem Nennwert des darin enthaltenen Spendengeldes liegt.
Die Tatmuster der Kirchendiebstähle der vergangenen Jahre lassen auf eine veränderte Motivationslage schließen. Wurden früher bevorzugt historische figurative Sakralkunstdarstellungen auf Gemälden, Reliefs, Epitaphen, Skulpturen und so weiter entwendet, sehen es die Kriminellen heute vermehrt auf echte oder scheinbare Edelmetallobjekte ab, auf Kerzenleuchter, Vasa sacra (liturgisches Gerät) oder Reliquiare etwa.
Besonders aus bayrischen Kirchen werden, so scheint es, hochwertige Plastiken, Kruzifixe und andere Kunstwerke entwendet. Vermisst wird aktuell etwa auch eine Madonna aus München oder die Lanze des heiligen Mauritius aus Coburg. Geklaut wird im Grunde in allen Landeskirchen und Diözesen.
Selbst in Berlin wird vermehrt zugegriffen, obwohl dort die Kirchen anders als etwa in Süddeutschland eher schlicht gehalten sind.
„Genau genommen kann es jede Kirche und jeden Friedhof treffen. Die Täter haben es offensichtlich auf Buntmetall abgesehen. Das ist insbesondere fatal, weil es sich ja zum Teil um Kunstgegenstände handelt, die einen viel höheren Wert haben als der eigentliche Materialwert darstellt“, sagt der Berliner Polizeipressesprecher Thomas Neuendorf.
Wenn in Kirchen eingebrochen wurde, dann ist die Verunsicherung sehr groß. Es ist eine Angst da. Man weiß nicht, kommt jetzt gleich der nächste Einbruch? Da helfen Präventionskurse, die man bei der Polizei anfragen kann.
Dabei ist nicht einmal ganz klar, ob die Täter immer nur von außen kommen und was nun eindeutiger Klau ist. Es gebe einen permanenten Schwund von Gesangbüchern, Kerzen und anderen Kleinigkeiten.
Der ZEIT liegen zwar die Kriminalstatistiken von 14 Landeskriminalämtern vor, doch sie folgen unterschiedlichen Kriterien. Demnach wurden etwa in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr 83 Fälle von Sachbeschädigung registriert, in Baden-Württemberg waren es 216 und in Rheinland-Pfalz 1.444. Eine signifikante Erhöhung auf bundesweiter Ebene ist nicht erkennbar.
Quellen:
Diebe in der Kirche: „Ganze Engel werden abtransportiert“, Thomas Klatt, evangelisch.de
