Beleidigungen, Mordaufrufe und Vergewaltigungsdrohungen fluten das Netz. Das Problem ist nicht neu, aber es wächst. Digitale Gewalt wird zur Gefahr für die demokratische Gesellschaft. Woher kommt dieser Hass im Netz?
ZDF-Moderatorin Dunja Hayali wird im Medienquartett vom Deutschlandfunk dazu zitiert: Wer nicht die Meinung des Gegenübers vertrete, sei „ein Idiot, ein Lügner, eine Schlampe oder total ferngesteuert“. Viele Zeitungen sind deshalb dazu übergegangen, ihre Online-Kommentarspalten komplett zu schließen. Doch ein Problem lässt sich nicht dadurch lösen, indem man es ignoriert.
Hasskommentare sind der Alltag im Netz. Das kann sich ändern, sagt Autorin Ingrid Brodnig in einem Zeit-Interview. Indem wir vor dem Kommentieren durchatmen. Und durch strengere Gesetze. „Menschen selektieren bevorzugt Informationen, die ins eigene Weltbild passen und bewerten sie als besonders relevant, während sie Nachrichten, die ihnen nicht passen, geringer bewerten.“
Und „online“ verhalten sich Menschen anders, sagt Ingrid Brodnig. „Ein wichtiger Faktor ist die sogenannte Unsichtbarkeit des Gegenüber, und dass ich nicht mitbekomme, wie verletzend meine Worte sind, wenn ich etwas eintippe. Das Fehlen nonverbaler Signale führt dazu, dass wir oft schroffer und enthemmter sind.“
Oft wissen die Menschen nicht, was seriöse Medien von nicht-seriösen unterscheidet. Wie sich das ändern lässt, beschreibt die Bundesverbraucherzentrale e.V. (Merkmale seriöser Medien): Seriöse Medien zeichnen sich durch bestimmte Merkmale aus, die ihre Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit unterstreichen.
- Transparenz & Quellen: Seriöse Medien legen offen, woher sie ihre Informationen haben. Sie verlinken Primärquellen oder nennen Gesprächspartner beim Namen.
- Fehlerkultur: Wenn seriöse Medien einen Fehler machen, korrigieren sie ihn offen und transparent (Richtigstellungen), statt den Beitrag heimlich zu löschen oder zu ändern.
- Trennung von Nachricht und Meinung: Berichte basieren auf Fakten; Kommentare oder Glossen sind klar als solche gekennzeichnet.
- Impressumspflicht: In Deutschland müssen seriöse Seiten ein ladungsfähiges Impressum mit Verantwortlichen und Kontaktmöglichkeiten haben. Fehlt das, ist Vorsicht geboten.
- Sprache: Seriöse Medien informieren sachlich. Reißerische Clickbait-Überschriften („Unfassbar!“, „Was sie euch verschweigen…“) oder emotionale Aufstachelung sind typische Merkmale für Boulevard oder Desinformation.
Der Schlüssel liegt in der sogenannten Nachrichtenkompetenz (News Literacy). Es geht nicht darum, blind zu vertrauen, sondern die Werkzeuge zu kennen, mit denen man Informationen prüfen kann.
Hass im Netz entspringt heute laut aktuellen Studien einer Mischung aus psychologischen Mechanismen, strategischer Manipulation und gesellschaftlicher Verunsicherung. Die Wahrnehmung von Hassrede nimmt laut dem Statistischen Bundesamt kontinuierlich zu; 2025 gaben bereits 34 % der Internetnutzenden an, regelmäßig auf Hatespeech zu stoßen.
Was man tun kann:
Initiativen wie der Faktenfinder der Tagesschau oder Portale wie Mimikama und Correctiv helfen dabei, Falschmeldungen zu entlarven. Zudem hilft die „Sicher-Check“-Methode: Wer hat es geschrieben? Welche Quellen werden genutzt? Finden sich die Informationen auch bei anderen großen Nachrichtenagenturen?
Digitale Gewalt umfasst Belästigung, Bedrohung oder Überwachung via Internet und Messengerdiensten, oft als Fortsetzung häuslicher Gewalt. Formen wie Cybergrooming, -stalking, Hate Speech oder Veröffentlichung intimer Bilder (Deep Fakes) zielen auf psychische Schädigung und Kontrolle ab. Sie betrifft besonders häufig Frauen und kann strafrechtlich verfolgt werden.
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