Modern, spannend und interaktiv – so präsentiert sich das Holzknechtmuseum in Ruhpolding. Die Reise durch rund 400 Jahre des Holzknechtberufes führt entlang einem vorgegebenen Parcours durch den nachgebauten Bergwald.
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eröffnete am Freitag gemeinsam mit Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid und Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer die neue Dauerausstellung im Holzknechtmuseum. In der Ausstellung, die viele interaktive Elemente bietet, erleben die Besucher die 400jährige Holzarbeit hautnah mit.

Ministerin Kaniber betonte, das Holzknechtmuseum habe große Bedeutung, weit über die Region hinaus. Es sei eine einzigartige Zusammenstellung, „die es in Bayern so nirgendwo zu sehen gibt.“

Wie lebten die Holzknechte im Wald? Was passierte währenddessen zuhause in Haus und Hof? Wie entwickelte sich die soziale und berufliche Stellung, welche Rechte hatten sie? Was ist die Herausforderung heute?
All diese Fragen werden auf dem Streifzug eindrucksvoll beantwortet. Dabei sticht die Architektur besonders ins Auge: Anstatt klassischer Glasvitrinen, wie man sie aus Museen kennt, findet man Vitrinen in grellen Farben vor, eingebettet in Nischen in der Bergwaldlandschaft.

Um mit allen Sinnen in die Geschichte eintauchen zu können, wird der Besucher in verschiedenen Ebenen abgeholt. Aktivstationen ermöglichen, bestimmte Themen selbst zu erforschen oder auszuprobieren. An Audiostationen können Besucher den Originalstimmen lauschen. Gibt es keine Originalaufnahmen, helfen Hörspiele mit heimischen Schauspielern, sich in jene Zeit zu versetzen. Mit Material der Bayerischen Staatsforsten visualisiert die Videoebene die Gegenwart und die Zukunft des Holzknechtberufes anschaulich.

Aber sie werden nicht einfach auf einem Podest präsentiert – auch hier werden die Objekte in das Geschehen passend integriert oder als aktives Element in Szene gesetzt. Der Sapi, ein Werkzeug, mit dem Stämme kraftschonend bewegt werden können, wird zum Beispiel so in die Berglandschaft eingebunden, dass der Besucher es aktiv aus dem Berg herausziehen kann.

Ein Highlight ist die Seilbahn sein, die sich quer durch den Ausstellungsraum zieht. Die Besucher können ihr Geschick unter Beweis stellen und die Seilbahn selbst bedienen, um einen Baumstamm damit zu transportieren. Damit wird die geschichtliche Ära der Maschinen und Geräte versinnbildlicht, die ab 1950 den Weg in die moderne Forstwirtschaft einläutete.
Neben den großen Attraktionen gibt es aber auch viele andere Objekte zu sehen, die in liebevoller Restaurationsarbeit von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aufbereitet wurden.

„Die Atmosphäre ist geheimnisvoll, jede Station ein Erlebnis – was erwartet mich gleich um die Ecke?“, sagt Dr. Ingeborg Schmid, Museumsleiterin. „Der Umbau der Ausstellung wäre ohne die zahlreichen Unterstützter, den Vinzenziverein, den Förderverein und die vielen Ruhpoldinger und Ruhpoldingerinnen, nicht zustande gekommen. Das Museumsteam um Frau Dr. Schmid hat hier etwas ganz Besonderes auf den Weg gebracht“, sagt der Zweckverbandsvorsitzende des Holzknechtmuseums, Bürgermeister Justus Pfeifer.
Mit Hilfe einer Förderung aus dem bewährten LEADER-Programm der EU zur Entwicklung des ländlichen Raums von fast 421.000 Euro und einer forstlichen Zusatzförderung von 250.000 Euro konnte die Dauerausstellung des Museums neugestaltet und modernisiert werden.
Weblinks:
Holzknechtmuseum Ruhpolding – multimedial und interaktiv (Fotos: Knut Kuckel)
