Welttag der Gletscher: Alpenverein fordert mehr Tempo beim Klimaschutz

Gepatschferner (Foto: DAV/Marco Kost)
Gepatschferner (Foto: DAV/Marco Kost)

Die Gletscher der Alpen schrumpfen in rasantem Tempo – mit weitreichenden Folgen für Natur, Wasserhaushalt und Bergsport. Zum Welttag der Gletscher am 21. März ruft der Deutsche Alpenverein (DAV) dazu auf, den Klimaschutzentschlossener voranzubringen.

Der dramatische Rückgang der Gletscher ist eines der deutlichsten Zeichen der Klimakrise – und verändert die Alpen bereits heute sichtbar.

„Der Rückgang der Gletscher ist eines der sichtbarsten Zeichen der Klimakrise. Wenn wir die Alpen als wertvollen Natur- und Lebensraum erhalten wollen, müssen wir beim Klimaschutz deutlich entschlossener handeln“, sagt Wolfgang Arnoldt, Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins.

Deshalb hat der DAV gemeinsam mit zahlreichen Umweltorganisationen einen Appell an die Bundesregierung unterzeichnet, beim Klimaschutz entschieden nachzuschärfen. Hintergrund ist das Klimaschutzprogramm, das die Bundesregierung bis zum 25. März 2026 vorlegen muss und das den Klimaschutzpfad bis 2040 verbindlich festlegen soll.

Die unterzeichnenden Organisationen warnen, dass Deutschland seine Klimaziele mit den bisherigen Maßnahmen deutlich verfehlt, und fordern ein wirksames Maßnahmenpaket für alle Sektoren. Nur mit konsequentem Klimaschutz lässt sich der dramatische Verlust der Gletscher bremsen und die Auswirkungen für Natur, Gesellschaft und Wirtschaft begrenzen.

Gletscherrückgang im Jahresvergleich: Sommer 2024 (links) und Sommer 2025 (rechts), Foto: DAV/ Julian Rohn, Moritz Pfeiffer
Gletscherrückgang im Jahresvergleich: Sommer 2024 (links) und Sommer 2025 (rechts), Foto: DAV/ Julian Rohn, Moritz Pfeiffer
Alpengletscher gehen weiterhin stark zurück

Aktuelle Messungen zeigen, wie deutlich sich der Klimawandel bereits auswirkt. Nach Angaben des Gletschermessdienstes des Österreichischen Alpenvereins lag das Jahr 2024/25 im Schnitt rund zwei Grad über der Klimanormalperiode 1981–2010, gleichzeitig fiel etwa 25 Prozent weniger Niederschlag. Unter solchen Bedingungen können Gletscher kaum noch wachsen – sie verlieren weiter an Masse und Länge. Im Durchschnitt gingen die untersuchten Gletscher zuletzt um etwa 20 Meter pro Jahr zurück.

Für viele Gletscher in den Ostalpen kommt der Klimaschutz deshalb zu spät: Aufgrund der langen Reaktionszeiten des Klimasystems werden sie weiter schrumpfen. Global jedoch kann entschlossener Klimaschutz weiterhin viel bewirken. Große Gletschersysteme in den Anden, im Himalaya sowie die Eismassen in Grönland und der Antarktis haben einen erheblichen Einfluss auf das weltweite Klimageschehen.

„Mit dem Rückzug der Gletscher entstehen in den Ostalpen neue Landschaftsräume. Diese Gletschervorfelder entwickeln sich zu wichtigen Lebensräumen für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten im hochalpinen Ökosystem. Deshalb setzt sich der DAV sowohl für konsequenten Klimaschutz als auch für den Schutz dieser sensiblen Lebensräume ein“, sagt Steffen Reich, Ressortleiter Naturschutz im Deutschen Alpenverein.

 
Die neu entstehenden Gletschervorfelder zählen zu den wenigen Orten in den Alpen, die bisher weitgehend vom Menschen unberührt sind. Hier entstehen nach und nach neue Lebensgemeinschaften von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Diese sensiblen Lebensräume ermöglichen es zugleich, die Entwicklung alpiner Ökosysteme wie in einem natürlichen Freilandlabor zu beobachten.

Der Deutsche Alpenverein setzt sich deshalb dafür ein, diese besonderen Landschaften zu bewahren und ihre ökologische Entwicklung zu schützen.

Der Welttag der Gletscher zeigt: Ihr Schutz ist eine globale Aufgabe – und zugleich entscheidend für die Zukunft von Gebirgsregionen weltweit.

 

Der Welttag der Gletscher wurde von den Vereinten Nationen ausgerufen, um weltweit auf die Dringlichkeit des Gletscherschutzes aufmerksam zu machen. Gleichzeitig markiert der Aktionstag den Auftakt zur internationalen „Decade of Action for Cryospheric Sciences“, die sich in den kommenden Jahren gezielt dem Schutz und der Erforschung von Eis- und Schneegebieten widmet.

Die Initiative verfolgt vier zentrale Ziele:

  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedeutung von Gletschern und die Folgen ihres Rückgangs
  • Verbesserung der wissenschaftlichen Forschung und Überwachung von Gletschern und anderen Bereichen der Kryosphäre
  • Unterstützung von Anpassungsmaßnahmen in Regionen, die besonders vom Gletscherrückgang betroffen sind
  • Aufbau globaler Initiativen und Kooperationen, um Wissen, Daten und Lösungen international zu bündeln

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