Mit rund 7.000 Hektar ist es das größte zusammenhängende Moor Mitteleuropas und seit 1980 Naturschutzgebiet. Das Gebiet umfasst Streuwiesen, Nieder- und Übergangsmoore, Quelltrichter, Altwasser und Hochmoore.
Trotz Bergbau, Torfstich, Landwirtschaft und anderen Nutzungsansprüchen blieb das Murnauer Moos bis heute eine sehr naturnahe Kulturlandschaft im bayerischen Alpenvorland.

Für die Bauern bedeutete das Moor seit jeher viel Arbeit, wenig Ertrag. Sie beschränkten sich darauf, die weniger nassen Flächen einmal jährlich zu mähen und das magere Heu als Einstreu zu nutzen. Im Lauf der Jahrhunderte entstanden dadurch artenreiche Feuchtwiesen, die das ökologische Portfolio der Gegend eher bereicherten.
In der jahrhundertelang geführten Auseinandersetzung des Menschen mit dem Moor, setzte sich schließlich Sachverstand und Naturliebe durch.
Zu den Sachverständigen gehört Landespfleger Peter Strohwasser, mit seinem Buch „Das Murnauer Moos“ über „2000 Jahre Nutzungsgeschichte und 100 Jahre Naturschutz im größten lebenden Moor des Alpenraumes“ das umfangreichste Nachschlagewerk vorlegt, dass es zurzeit gibt.

Neben seiner Naturschutztätigkeit betreibt Peter Strohwasser eine kleine Landwirtschaft und engagiert sich seit über 20 Jahren in einer Weidegemeinschaft für Ziegen und Schafe.
Strohwasser schreibt in seinem Vorwort: „Ein ganzes Buch nur über ein Moorgebiet? Irgendwie hat jeder Ort seine Vergangenheit, aber was bitte soll an diesem nassen, unwirtlichen und menschenleeren Gebiet so interessant sein, dass man ein ganzes Buch mit lesenswerten Geschichten füllen könnte?“
Ich habe das Buch von Peter Strohwasser gelesen und finde, dass er in bemerkenswerter Weise lesenswerte Geschichten untergebracht hat, die auch Einheimischen noch manch Neues erzählen. Man lernt sehr viel über seine unmittelbare Heimat. Es eröffnen sich nicht zuletzt neue und aufschlussreiche Sichtweisen. Von der Entstehung in prähistorischen Zeiten, über erste Nutzungen im Mittelalter, bis hin ins 19. Jahrhundert.
Für viele – so Peter Strohwasser – die vom Murnauer Höhenrücken hinunterblickten, sei „das Murnauer Moos ein Stück übriggebliebene Natur“. Die „einfach so da liegt“.
Das Murnauer Moos repräsentiert fast das gesamte Spektrum an naturraumtypischen Moorbiotopen und mit 1000 Arten an Blütenpflanzen, Farnen und Moosen kommt etwa ein Drittel der in Bayern heimischen Flora vor. Die Zahl an Tierarten wird auf über 4000 geschätzt. Viele der Arten sind bundesweit vom Aussterben bedroht.
Drei Tage durchstreifen wir die Moorlandschaft im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, am Nordrand der bayerischen Alpen, südlich von Murnau und Staffelsee.
Mein sachkuniger Begleiter aus dem nahen Ohlstadt führt mich durch Hoch- und Niedermoore, vorbei an Seen, Bächen, Auen, Moränenhügeln und Felsenbergen.
Mit Blick auf die umliegenden Gebirgslandschaften erzählt er, es sei der starke Landschaftseindruck, der ihn so anziehe. Zitat: „Das weite offene Land, umgeben von Bergen. Die Wälder und Seen – eben das Gegensätzliche – beeindruckt mich schon, solange ich denken kann.“

Neben dem Moosrundweg gibt es übrigens noch andere lohnende Wege durchs Moor. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat dazu eine naturkundliche Wanderkarte für das Murnauer Moos herausgebracht.

Die ca. drei-einhalb-stündige Rundtour führt zumeist über breite, befestigte Wege. Durch die Lange Filze leitet der sogenannte Bohlenweg. Die Rundtour ist auch während der Wintermonate empfehlenswert.

Steinbrüche, Entwässerungsgräben und Torfabbau setzten dem Murnauer Moos in der Vergangenheit schwer zu. Inzwischen ist es größtenteils ein Naturschutzgebiet. So kann es weiterhin einer Vielzahl gefährdeter Tiere und Pflanzen Zuflucht bieten.
Rückblick: Das Hartsteinwerk Werdenfels war ein Steinbruch am Langen Köchel im Murnauer Moos, bei Eschenlohe, nördlich des Werdenfelser Lands. Das 1930 gegründete Unternehmen war zeitweise der wichtigste Lieferant von Bahn- und Straßenschotter in Südbayern. Nachdem das umliegende Murnauer Moos bereits 1980 zum Naturschutzgebiet erklärt worden war und 1994 jede Erschließung neuer Abbaufelder endgültig gerichtlich scheiterte, wurde die Produktion nach 70 Jahren, im Jahr 2000 eingestellt.
Aufgrund einer Population nistender Fledermäuse, die in der ehemaligen Kantine gesehen wurden, musste der Abriss der Kantine aus Naturschutzgründen gestoppt werden. In dem übriggebliebenen (einsturzgefährdeten) Vorderteil brüten seither im Sommer rund 200 Bartfledermäuse. Sie ernähren sich ausschließlich von Insekten.
Ehemalige Kantine des Hartsteinwerkes Werdenfels‚ von März bis Mitte Oktober, Heimat der Bartfledermäuse. (Fotos: Knut Kuckel)Das Murnauer Moos war von 1992 bis 2003 Ort eines der größten Naturschutzprojekte der Bundesrepublik Deutschland. Unter der Leitung des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen wurden in zwölf Jahren etwa 15 Millionen Euro investiert, um Flächen anzukaufen, die Voraussetzungen für eine naturnahe Entwicklung oder extensive Nutzung wiederherzustellen und Pflegemaßnahmen durchzuführen.
Die Finanzierung stammte zu 75 % von der Bundesrepublik Deutschland über das Bundesamt für Naturschutz, nachdem das Murnauer Moos als Naturraum von gesamtstaatlicher Bedeutung eingestuft worden war. Nicht geheilt werden konnten die schweren Beeinträchtigungen des Wasserhaushaltes durch den Bau der Autobahn A95 in den 70er Jahren und der anschließenden Entwässerungen durch die Flurbereinigung.
Für den Naturschutz kommt es darauf an, in diesem Gebiet die richtige Balance zwischen extensiver Nutzung und Offenhaltung auf der einen Seite und natürlicher unbeeinflusster Entwicklung auf der anderen Seite zu finden.
Das Murnauer Moos (Foto: Knut Kuckel)
Das Murnauer Moos ist eine vielfältige Landschaft mit Nieder- und Übergangsmooren, Kalksümpfen, Feuchtwiesen und sogar vereinzelten Kalktrockenrasen. Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Quellen:
• Peter Strohwasser, Das Murnauer Moos, 2000 Jahre Naturgeschichte und 100 Jahre Naturschutz im größten lebenden Moor des Alpenraumes, 2018, Allitera Verlag, München
• Bayerisches Gesetz- und Verordnungsblatt, Nr 6/1980, Verordnung über das Naturschutzgebiet „Murnauer Moos“, vom 21. Februar 1980
• Murnauer Moos, Wikipedia
• Hartsteinwerk Werdenfels, Wikipedia
Das Murnauer Moos – Moorgebiet im bayerischen Alpenvorland (Fotos: Knut Kuckel)









