4,5 Billionen weggeschnippte Zigarettenkippen sind ein toxisches Problem. (Foto: Knut Kuckel)
4,5 Billionen weggeschnippte Zigarettenkippen sind ein toxisches Problem. (Foto: Knut Kuckel)

Von Kippe zu Kippe – gefragt sind Einfälle, statt Abfälle

Schilder im Naturschutzgebiet mahnen „Unsere Wanderwege haben ein Problem, Ihre Abfälle…“ – nur ein paar Schritte weiter erreiche ich eine Bank. Der Blick auf Alp- und Zugspitze ist bedauerlicherweise getrübt.

Um die Bank herum liegen achtlos weggeworfene Zigarettenkippen. Die riechen schlecht und trüben die Stimmung. Das ist mehr als nur ein optisches Problem.

Auf der Straße, auf Spielplätzen, im Park und am Berg – Zigarettenkippen liegen überall rum. (Foto: Knut Kuckel)

Zigaretten schaden nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Umwelt. Die Folgen für die Natur sind verheerend. Ein Zigarettenstummel, am Wegesrand entsorgt, ist zwar schon nach ein paar Jahren aufgelöst, hat dafür aber das Potenzial, 50 Liter Grundwasser zu vergiften.

Pro Tag werden laut Weltgesundheitsorganisation WHO alleine in Deutschland 400 Millionen Zigaretten geraucht, und drei Viertel davon landen nicht im Aschenbecher, sondern am Straßenrand oder in der Natur. Der Zigarettenfilter ist mit Chemikalien angereichert und extrem robust. Es dauert deshalb etwa 10 bis 15 Jahre, bis ein Filter auf natürlichem Weg verrottet ist.

Bleibt die Erkenntnis: eine Zigarette ist in ca. fünf Minuten geraucht, aber sie belastet die Umwelt jahrelang.

Nur einen Handgriff entfernt, steht der Abfalleimer. Sieht den denn niemand? Sind Raucher rücksichtslose Egoisten? Scheint so zu sein. (Foto: Knut Kuckel)

Eine Bank mit Symbolcharakter. Nur eine von vielen. Jede Menge achtlos weggeworfene Zigarettenstummel liegen am Boden. Nur einen Handgriff entfernt, steht der Abfalleimer.

Sieht den niemand? Sind Raucher rücksichtslose Egoisten? Scheint so zu sein. Im Einzelfall sicherlich unbewusst.

„Geschätzte 30 bis 40 Prozent des Mülls sind Zigarettenstummel“, sagt ein ehrenamtlicher Kippen-Einsammler. Er meint, „gefragt sind Einfälle, statt Abfälle.“

Kippenaufheben. (Foto: Knut Kuckel)

Nur was könnte man tun, um für ein breites Umdenken zu sorgen? „Die Leute haben keinen Respekt mehr. Vor nichts…“, bemerkt eine Wanderin, die uns beim Aufheben beobachtet.

Zwischen Krankheit und Genuss, Gesundheit und Lifestyle ist der Konsum von Tabak zum Streitfall geworden. Dabei galt Tabak zunächst als Heilmittel, eroberte als Genussmittel rasch Europa, dann die ganze Welt.

Auf Tafeln und Bierdeckeln informieren die Alpenvereine über die Müllproblematik. Es scheint niemanden zu interessieren. Die Aktion „Saubere Berge“ stellte Schilder an Wegen auf, an den Hütten sind umweltfreundliche Maisstärketüten zu finden.

Haltet die Berge sauber (Foto: Deutscher Alpenverein)

Jährlich 4,5 Billionen weggeschnippte Kippen sind weltweit ein giftiges Sondermüllproblem. Gefragt sind nachhaltige Initiativen im privaten Umfeld, in Firmen, in Schulen – und natürlich auch in der Natur.

Abfalleimer Markt Garmisch-Partenkirchen. (Foto: Knut Kuckel)

Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern leert an allen öffentlichen Wanderwegen ein bis zweimal täglich die aufgestellten Mülleimer. Das ist beispielhaft. Die dafür in der Gemeinde Verantwortlich hatten jede Menge guter Einfälle, um der Abfallproblematik gerecht zu werden. Ja, auch das ist praktizierter Tourismus.

„Manchmal liegt der Abfall neben dem Abfalleimer“, klagt ein Gemeindearbeiter, dem ich begegne. Der Mann trägts mit Fassung. Für ihn gibt es „schlechtere Arbeiten, als das tägliche Mülleimerleeren in Gottes freier Natur.“

...danke für's WeitersagenFacebookTwitterPinterestWhatsAppE-Mail
Von
Knut Kuckel