„Bloggen? Auf die Plätze fertig los…“ – Kreatives Schreiben ist im Trend
Blogs sind keine Bedrohung für den etablierten Journalismus. Foto: Knut Kuckel
Blogs sind keine Bedrohung für den etablierten Journalismus. Foto: Knut Kuckel

„Bloggen? Auf die Plätze fertig los…“ – Kreatives Schreiben ist im Trend

Schreiben ist ein Handwerk. Man kann es lernen. Aber auch unter den Handwerkern gibt es Künstler und weniger Begabte. Und trotzdem ist „Kreatives Schreiben“ im Trend. Immer mehr wollen es lernen. Koste es, was es wolle.

Googeln wir doch mal den Begriff „Kreatives Schreiben“. Rund neun Millionen Einträge verraten, wie man das lernen kann. Darunter Schreibwerkstätten unterschiedlichster Art.

Die meisten möchten damit Geld verdienen. Sie bieten ihre Leistungen als Autorenschulen an oder in Schreib-Workshops. Versprechen das Blaue vom Himmel. Allein in Deutschland kann man im „Kreativen Schreiben“ an vier Universitäten einen Bachelor machen. In den gut besuchten Vorlesungen gehts meistens um Lyrik, Prosa oder Dramatik.

Das Handwerk des guten Schreibens wird auch auf dem Buchmarkt über unzählige Praxisratgeber vermittelt. Autoren geben Tipps, bieten Kurse an und lassen Schreibinteressierte glauben, alles sei nur eine Sache der Übung. Jeder könne heutzutage ein erfolgreicher Autor werden. Nur Mühe müsse man sich geben.

Wer eine gute Bloggerin, ein guter Blogger werden möchte, findet mindestens genauso viele Angebote im Netz. Aktuell mehr als 61-Millionen Einträge versprechen angehenden Bloggern wies gemacht wird. Vor allem, wie man mit „guten Blogs“ möglichst schnell viel Geld verdienen kann. Ein paar Idealisten verraten aber auch, wie man „Spaß beim Bloggen“ haben kann.

Alles ist immer ganz einfach. „Bloggen? – Auf die Plätze fertig los…“ Wer das ein oder andere vollmundige Angebot prüft, lernt sehr schnell, wie man es nicht machen sollte.

Professionell agieren sogenannte „Content-Marketing“-Unternehmen. Sie verdienen ihr Geld, indem sie meistens Selbständigen oder Unternehmern verraten, wie man mit „guten redaktionellen Inhalten“ alle gewünschten Zielgruppen erreicht. Dabei misst sich der Erfolg meistens an der Zahl der Besucher eines Online-Projektes.

Das ist wie mit der Einschaltquote bei Radio und Fernsehen oder der Verkaufsauflage einer gedruckten Zeitung: Diese Zahlen mögen für Werbetreibende von Interesse sein, nicht aber für die angedachten Zielgruppen.

Bei guten Inhalten ist übrigens der erste Satz von größer Bedeutung. Er entscheidet, ob eine Geschichte wahrgenommen wird oder nicht.

Schreiben ist allerdings nicht gleich schreiben. Da gibt es Unterschiede. Beispielsweise, ob ich einen Roman schreiben möchte oder nur ein Tagebuch. Einen journalistischen Kommentar oder eine Reportage. Ob ich fürs Hören schreibe oder fürs Lesen. Wer fürs Radio oder Fernsehen arbeitet, formuliert in einer lebenden Sprache. Selbst beim Ablesen ist das so.

Wir haben nur eine Sprache, lassen wir sie leben.

Wie auch immer, die Beherrschung der deutschen Rechtschreibung und Grammatik ist immer von Vorteil.

„Sowohl Journalisten als auch Blogger wollen in erster Linie informieren und vermitteln. Nur etwa jeder zehnte Blogger will kritisieren und kontrollieren, während knapp 40 Prozent der Journalisten diesen Anspruch formulieren.“ Das schreibt der Medienforscher Olaf Hoffjann in einer Studie der Otto Brenner Stiftung über „Deutschlands Blogger“.

„Bloggen“ ist längst eine Stilform des Schreibens geworden. Nachzulesen in einem Meinungsbeitrag zur viel beachteten Blogger-Studie im Journalismusblog.

Sind Blogger „unterschätzte Journalisten“? – Studie nährt alte Vorurteile

Die Digitalisierung verändert Politik, Gesellschaft und Journalismus. Zeitungsleser werden Blogger. Die Rolle der Journalisten vielfach neu definiert werden. Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeiten der neuen sozialen Medien. Sie bloggen und kommentieren. Machen „Bürgerjournalismus“. Journalisten müssen sich – ob sie das wollen oder nicht – die Rolle des Erklärers und Kommentierers mit Bloggern teilen.

Journalisten suchen heute ihre neue Kreativität. Ihnen müssen alle Plattformen der öffentlichen Kommunikation vertraut sein. Das gilt für alle journalistischen Genres, in besonderer Weise für den Politikjournalismus. In vergangenen Jahren hatte man beim Schreiben noch seine Zielgruppen im Blick, heute sucht man sich „Communities“.

Konstruktiver Journalismus ist eine ernst zu nehmende Form des Schreibens in den Medien. Das Publikum ist breiter aufgestellt, das erfordert eine neue Objektivität.

Journalisten der community-nahen Medien, teilen sich ihre Rollen mit den Mitgliedern der Community.

„Journalisten versuchen eine neutrale Perspektive einzunehmen, während Blogger eher eine subjektive Sicht bieten wollten“, schreibt Olaf Hoffjann. „In fast allen Fragen sind Blogger Journalisten viel ähnlicher als wir erwartet haben – als es wahrscheinlich Journalisten lieb sein darf.“

Blogs sind keine Bedrohung für den etablierten Journalismus. In seinen Kernbereichen ist er weiterhin seinen Mitbewerbern überlegen. Kommt hinzu, dass Polit-Blogger den Journalisten zahlenmäßig unterlegen sind.

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