Journalist im Ruhestand – „Lust auf Zukunft“
"Weil ich finde, das man irgendwann loslassen sollte. Kann nicht jeder. Kann aber jeder lernen." - Foto: Knut Kuckel
"Weil ich finde, das man irgendwann loslassen sollte. Kann nicht jeder. Kann aber jeder lernen." - Foto: Knut Kuckel

Journalist im Ruhestand – „Lust auf Zukunft“

„Einmal Journalist, immer Journalist“, sagte mir ein befreundeter Kollege. Schon längst im Ruhestand, mischt er sich nach wie vor ein. Ich erinnere mich: Bei mir war es ähnlich. Es hat eine Weile gedauert, bis ich loslassen konnte. Jetzt kann ich das.

„Ich darf die Pflicht beenden und mich nun der Kür widmen“, sagte Heribert Prantl nach 31 Jahren bei der „Süddeutschen Zeitung“ an der Spitze der größten Tageszeitung in Deutschland. Heribert Prantl war u.a. Mitglied der Chefredaktion. Im März dieses Jahres gab der hoch- und vielbeachtete Journalist seine Ämter bei der SZ ab. Der 65-Jährige wird weiter als Autor und Kolumnist für die Zeitung tätig sein.

Die SZ-Kolumne „Prantls Politik“ ist nach wie vor ein Gradmesser für gesellschaftliche Werte. Prantl scheute sich nie, die Dinge beim Namen zu nennen. Im „Ruhestand“ wird ihm das noch leichter gelingen.

Warum schreibe ich das? Knut Kuckel ist nicht Heribert Prantl. Wenngleich der Kollege von der Süddeutschen für mich oft tonangebend als Kommentator war. Prantl war und ist der Große unter den Großen.

Mein Eintritt in den Ruhestand erfolgte schon etwas früher. Meinem letzten Arbeitgeber, dem Hessischen Rundfunk, war und bin ich nach wie vor verbunden. Aber stehe nicht mehr in seinen Diensten.

Journalistenausbildung war in meinem aktiven Leben immer eine persönliche Herausforderung. Ich wollte praktisches Wissen vermitteln. Aus dem journalistischen Alltag. Wertvoll, aber selten Stoff für Lehrbücher.

Gerade im Ruhestand angekommen, dachte ich, das kannst Du ja weiter machen. Dachte mir, so bleibst Du auf dem Laufenden und kannst mit Abstand die „Journalismusdebatte“ mitverfolgen und – wenn es Sinn macht – auch mit begleiten.

Irgendwann kommt dann die Einsicht, dass das so nicht mehr geht. Und einer jener Alten, die nur noch von gestern reden, wollte ich nie sein.

Ich bin in den Süden gezogen. Habe meinen Lebensmittelpunkt bewusst verändert. Die Vorstellung, im meinem privaten Leben auf Menschen zu treffen, die mich vom Radio her kennen, war nicht beglückend, eher bedrückend.

Weil ich finde, das man irgendwann loslassen sollte. Kann nicht jeder. Kann aber jeder lernen.

Ich habe mal dies und das gemacht. Mich in meiner neuen Heimat eingebracht. Das mache ich noch heute, aber mit großer Zurückhaltung. Die Dorfzeitung sollte vom Dorf fürs Dorf geschrieben werden und nicht von Journalisten, die daraus eine richtige Zeitung machen möchten.

Es stimmt aber schon, wenn ein Vollblut-Journalist sagt, „einmal Journalist immer Journalist“. Wer immer geschrieben hat, wird damit nicht aufhören. Nur weil er mal gerade 65 Jahre alt geworden ist.

Aber schreiben, sich weiterhin einbringen, geht ja auch anders. Jeder sollte seinen eigenen Weg finden. Ich mag da niemandem Ratschläge erteilen.

Ich habe nach meinem hauptberuflichen Leben als Rundfunkjournalist gelernt, zu fotografieren. Es ist für mich seither Erfüllung und Berufung zugleich, Dinge zu reflektieren, die im Nahbereich liegen. Geschichten zu schreiben, die im wahrsten Sinne des Wortes am Weg liegen.

Dabei habe ich die persönliche Einsicht gewonnen, dass es erfüllend sein kann, auf diese oder jene Weise seine neue, frei gewählte Heimat zu entdecken. Land und Leute kennenzulernen. Und dabei auch mehr als früher zuzuhören.

Meinen Autoren-Blog Geschichten am Weg gibt es nicht, weil ich mich als „journalistische Marke“ präsentieren will oder muss. Es gibt ihn, damit jene, die mich suchen oder treffen, erfahren können, wo sie mich finden. Zum Auffinden persönlicher Lebenswege sehr hilfreich.

Ich freue mich auch heute noch über Begegnungen, die Sinn machen und allen Beteiligten gut tun. Nicht um jeden Preis. Und bitte nicht auf der Rentnerbank. Dort, wo sich die Alten treffen, um über früher zu reden. Alte, die glauben, dass ihre Uhr langsam abläuft.

Mir sind Begegnungen mit Menschen wichtig, die mir Lust auf Zukunft machen. Zufrieden und bewusst älter werden. Das war eines meiner Lebensziele. Nach ein paar Jahren Übung, weiß ich, wie sinnvoll das ist.

...danke für's WeitersagenTwitterFacebookPinterestWhatsAppEmail
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