Bergtour mit Freunden – Im Tiroler Stöttl reden wir über „Eifelgefühle“
Eifelgefühle in den Tiroler Bergen? - Barbara und Horst Hültenschmidt unterhalb vom Stöttltörl. Foto: Knut Kuckel
Eifelgefühle in den Tiroler Bergen? - Barbara und Horst Hültenschmidt unterhalb vom Stöttltörl. Foto: Knut Kuckel

Bergtour mit Freunden – Im Tiroler Stöttl reden wir über „Eifelgefühle“

Der Verlag „Eifelgefühl“ gehört meinen Freunden Barbara und Horst Hültenschmidt. „Wir wohnen noch in Köln“, sagt Horst, „aber im Herbst geht’s zurück in die Eifel.“ In Tirol erzählten sie mir, warum für sie die Eifel mehr ist, als nur eine Geschäftsidee.

„Wir leben Eifel“, sagt Horst und das nehme ich ihm ab. Denn wir beide sind ein und derselbe Jahrgang. Uns verbindet die gemeinsame Heimat. Horst war allerdings immer mehr Prümer als ich. Das hat sicherlich mit seinen persönlichen Wurzeln zu tun. Die sind bei ihm weit verzweigter und deshalb wohl auch stärker als meine.

Unsere Lebenswege kreuzten sich eine Weile. Wir trafen uns als Studenten in Aachen, wohnten zwei Jahre lang in einem Haus, im kleinen Grenzort Vaals. „Vols“ findet man in der niederländischen Provinz Limburg, nur knappe 23 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Maastricht gelegen und allerhöchstens fünfeinhalb Kilometer von Aachen entfernt. Von Vaals war es nicht so weit zu unseren Vorlesungen.

Horst beschäftigte sich in seiner Abschlussarbeit mit dem „Urheberrecht in der Musik“ und ich wurde Journalist. Wir sahen uns immer seltener. Später wieder beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Horst Hültenschmidt war inzwischen Musikverleger und besuchte uns im Namen seiner Künstler. Darunter war auch Herbert Grönemeyer, von dem er mal für seine Leistungen eine Goldene Schallplatte bekam.

Horst machte Herbert Grönemeyer mit mir bekannt, als der noch nicht so populär war wie heute. Damals arbeitete ich für das deutschsprachige Programm des Belgischen Rundfunks (BRF). Grönemeyer (Jahrgang 1956) besuchte mich ein paar Mal in Eupen und wir trafen uns privat in Köln.

In Erinnerung aus dieser Zeit ist mir ein Konzert der Rolling Stones in der Kölner Sporthalle. Jemand wollte nach dem Konzert ein Autogramm von Herbert Grönemeyer. Das verweigerte ihm der Künstler mit der Begründung, „wer meinen Namen nicht kennt, bekommt von mir kein Autogramm.“ Grönemeyer war damals schon einem größeren Publikum bekannt. Die meisten kannten ihn allerdings aus dem 1981 veröffentlichten Film „Das Boot“ von Wolfgang Petersen.

Herbert Grönemeyer spielte in dem vielfach ausgezeichneten Film den Kriegsberichterstatter Leutnant Werner.

Grönemeyer war ein paar Mal mein Studiogast beim BRF und erhielt von uns Anfang der 1980er Jahre im ostbelgischen St. Vith seinen ersten Rundfunkpreis. Geehrt wurde er damals im Rahmen einer Liedermacher-Sendung.

Herbert Grönemeyer beim BRF. Foto: AVZ/Hans-Hubert Franke/KnutKuckel
Herbert Grönemeyer beim BRF. Foto: AVZ/Hans-Hubert Franke/KnutKuckel

Einen alten AVZ-Artikel aus dieser Zeit konnte ich auf die Schnelle noch finden. Geschrieben übrigens damals von Heinz-Hubert Franke.

In der Eifel (und wohl darüber hinaus) heute besser bekannt als Hubert vom Venn.

Darüber sprechen wir auch mal wieder in Tirol. Horst und ich. Weil dort, wo wir uns trafen, auch der inzwischen berühmteste gemeinsame Freund aus alten Tagen gelegentlich Station machen soll. Hört man. Rein privat und ohne Öffentlichkeit. Es gibt keine nachvollziehbaren Gründe, das nicht zu respektieren.

Barbara und Horst besuchen mich aber auch, um mit mir über ihre persönlichen Eifel-Pläne zu sprechen. „Im Herbst ziehen wir nach Prüm“, erzählt mir Horst. Der erfolgreiche Verlag „Eifelgefühl“ habe auch damit zu tun. „Ich war überall auf der Welt, bin aber im Grunde meines Herzens immer Prümer geblieben“, erzählt er mir am Abend im Restaurant „Greenvieh“ in Mieming.

„Manchmal braucht es seine Zeit, bis die Dinge reifen.“ Viele seiner Eifelgefühl-Künstler sind in der Region daheim oder sind aktive Eifel-Pendler. Der berühmteste darunter ist wohl Wolfgang Niedecken. Den kenne ich auch noch aus meiner Radio-Zeit. Horst erzählt mir, dass Wolfgang noch in Köln lebt und arbeitet, aber sich immer öfter in die Eifel zurückziehe.

Wolfgang Leonhard, Die Revolution enläßt ihre Kinder, Heyne-Verlag, 1979. Foto: Geschichten am Weg / Knut Kuckel
Wolfgang Leonhard, Die Revolution enläßt ihre Kinder, Heyne-Verlag, 1979. Foto: Geschichten am Weg / Knut Kuckel

Mir fällt ein, dass es auch den Historiker Wolfgang Leonhard am Ende seines Lebens in die Eifel zog. Der Autor von „Die Revolution entläßt ihre Kinder“ starb dort im August 2014 im Alter von 93 Jahren. Die Heyne-Ausgabe des Leonhard-Klassikers von 1955 steht noch heute in meinem Bücherregal. Hat alle Umzüge überlebt. Geschenkt bekam ich sie während des Studiums in Aachen von meinem Kommilitonen Horst Hültenschmidt.

„Musst Du lesen. Dann reden wir darüber“, sagte er mir damals. Die meisten von uns fühlten sich den 68ern nahe. Wir auch. Voll im Trend. Damals.

Ich freue mich darauf, Barbara und Horst Hültenschmidt bald schon wieder in Prüm zu treffen. Vielleicht zeigen sie mir dann ja „ihre Eifel“. Das wird dann eine andere Geschichte.

Fotos: Knut Kuckel

Weblinks:
Eifelgefühl
Facebook/@eifelgefuehl

 

...danke für's WeitersagenTwitterFacebookPinterestWhatsAppEmail
Meine Meinung