Geschichten am Weg – Begegnungen mit Freunden
Das Buch "Der Graf von Monte Christo" (von Alexandre-Dumas) brachten meine Eltern von ihrem Frankreich-Aufenthalt 1953 mit. Ihre Freunde schrieben eine Widmung hinein. Foto: Knut Kuckel
Das Buch "Der Graf von Monte Christo" (von Alexandre-Dumas) brachten meine Eltern von ihrem Frankreich-Aufenthalt 1953 mit. Ihre Freunde schrieben eine Widmung hinein. Foto: Knut Kuckel

Geschichten am Weg – Begegnungen mit Freunden

Seit Juni dieses Jahres erzähle ich gelegentlich Geschichten, die durchaus etwas Öffentlichkeit vertragen. Ich nenne sie ganz unspektakulär „Geschichten am Weg“. Die Protagonisten möchten nicht berühmt sein. Könnten es aber sein.

In diesen Geschichten geht es nicht um Enthüllungen oder Selbstdarstellungen. Weil man das annehmen könnte, möchte ich darauf hinweisen.

Als Journalist, Autor und auch schon eine Weile als Blogger, mag ich die Begegnungen mit Menschen, die erzählen können. Die sich vielleicht ja auch an die ein oder andere Begegnung besser erinnern können als ich.

Geschichten möchten erzählt werden. Es lohnt sich, nach Ihnen zu suchen. Ich finde solche Geschichten entlang meiner eigenen Wege. Die beginnen dort, wo ich meine eigenen Wurzeln habe und finden ihre Fortsetzung in meinem weiteren Leben.

Schon immer haben Menschen ihre Geschichten aufgeschrieben. Meist in biographischer Form, früher häufig in sehr persönlichen Tagebüchern.

Geschichten gäbe es somit genug, die erzählenswert wären. Allein aus meiner über dreißigjährigen Zeit als Rundfunkjournalist. Da habe ich viele interessante Menschen getroffen. Die meisten dieser Begegnungen (längst vergangener Tage) bieten Stoff genug für spannende Erzählungen. Das möchte ich aber nicht. In meiner Bibliothek finden sich Bücher von früheren Kolleginnen und Kollegen, die aus ihrem Radio- und Fernsehleben plaudern. Ganz ehrlich, wen interessieren heute noch Ereignisse und Erlebnisse eines Radiomenschen?

Beim damaligen Südwestfunk traf ich auf Oskar Haaf, einem deutschen Rundfunkpionier. Oskar Haaf, 1905 geboren, wäre heute 114 Jahre alt. Wann er starb, ist nicht öffentlich bekannt. Wir trafen uns auf ein Gespräch im Dezember 1985. Oskar Haaf war seinerzeit das personifizierte Radio. Unter anderem Unterhaltungschef des Südwestfunks in Baden-Baden. Er traf alle Großen seiner Zeit. Theodor Heuss, Herbert von Karajan, Anneliese Rothenberger, Willy Reichert, Erika Köth, Fritz Wunderlich, Ingeborg Hallstein, Kurt Edelhagen, Caterina Valente, Josefine Baker, Robert Stolz, Aristoteles Onassis, Peter Paul Althaus, Karl Heinrich Waggerl, Carl Zuckmayer und viele andere.

Das waren alles öffentlich bekannte Persönlichkeiten, mit denen ich – Anfang der 1980er Jahre – noch etwas anfangen konnte. Manche traf ich sogar noch selbst. Aber wer sollte sich von der jüngeren Generation heute noch an diese Menschen erinnern? Wenn ja, mit welchen Empfindungen? Als sie berühmt waren, sagten die Radiosprecher noch vor der Zeitansage „Beim Gongschlag war es acht-Uhr-fünzig.“ Heute klingt das lässiger, da sagen die im Radio „…es ist schon zehn vor neun“ oder „gleich ist Mittag“.

Oskar Haaf schrieb Bücher über sein bemerkenswertes Rundfunkleben. Die populärsten trugen den Titel „Beim Gongschlag…“. Die gibt es zum Teil heute nur noch im Antiquariat.

Die meisten, die er aus seinem aktiven Leben kannte, leben nicht mehr. Wie er. Die ihn noch kannten, wie ich, sind auch nicht mehr die Jüngsten.

Ich schreibe das, um zu verdeutlichen, wie kurzlebig selbst spannende Geschichten eines langen und erfüllten Lebens sein können.

Meine „Geschichten am Weg“ müssen mich nicht überleben. Ich war nie so berühmt wie Oskar Haaf oder mein Freund und Förderer Hanns Verres (vom Hessischen Rundfunk). Aber ich habe sie und viele andere gekannt und frage mich heute – bei allem Respekt – allen Ernstes, wer spricht noch von ihnen? Wohl nur die wenigen, die sie zeitlebens gut kannten und mit ihnen befreundet waren. Aber auch nur dann, wenn die sich zufällig mal treffen, um über alte Zeiten zu plaudern.

Deshalb schreibe ich in erster Linie für mich und die drei, vier Menschen, denen meine Geschichten gewidmet sind. Nicht abgehoben und von oben herab, nach dem Motto „schaut her, wen ich so alles kenne…“, sondern so, wie man sich am Tisch unter Freunden gute Geschichten erzählt.

Diese Geschichten finden sich in meinem Blog, indem ich auch über andere Dinge schreibe. Das sind meistens Meinungsbeiträge zur gesellschaftspolitischen Debatte.

...danke für's WeitersagenTwitterFacebookPinterestWhatsAppEmail
Meine Meinung