Journalismus.online – „Die digitale Welt der schnellen Information“
Im Journalismus geht es um Minutenaktualität, um Echtzeitjournalismus schreibt Hektor Haarkötter im Handbuch Journalismus.online - Foto: Knut Kuckel
Im Journalismus geht es um Minutenaktualität, um Echtzeitjournalismus schreibt Hektor Haarkötter im Handbuch Journalismus.online - Foto: Knut Kuckel

Journalismus.online – „Die digitale Welt der schnellen Information“

Das Handbuch „Journalismus.online“ gibt einen umfassenden Überblick über den digitalen Journalismus, wie er sich heute im Internet abspielt. Hektor Haarkötter hat für sein Buch mehr als 20 Online-Redaktionen und Multimedia-Agenturen in Deutschland besucht und befragt.

Darunter große und kleinere Redaktionen. Lokalredaktionen, Newsrooms, Agenturen, digitale Produktionsfirmen, hyperlokale Blogs und mehr.

Jeder Journalismus ist heute online.

Deswegen unterscheidet sich Online-Journalismus auch gar nicht mehr von anderen Ausspielkanälen. Eine Ansicht von Hektor Haarkötter (@Medienhektor), der wohl auch deshalb sein Buch Journalismus.online überschrieben hat.

„Der Anspruch dieses Buches ist, den Journalismus, wie er sich heute in der Online-Welt darstellt, möglichst umfassend darzustellen“, so der Autor. „Zu diesem Zweck bin ich über einen längeren Zeitraum durch Deutschland und Österreich gereist und habe die Macherinnen und Macher des aktuellen Online-Journalismus besucht.“

Besucht wurden anderem die Online-Redaktionen von Bild, Zeit, Spiegel, SZ, FAZ, Welt, RTL und N-TV. Haarkötter und sein Team waren auch bei TZ Online des Münchner Merkurs, bei den Krautreportern, der Video-Plattform Dbate, aber auch bei der ARD-Medienforschung. Beschäftigte sich mit YouTubern und Influencern. 

„Mit so viel Offenheit für mein Buchprojekt habe ich gar nicht gerechnet.“ Das gedruckte Buch sei für umfangreiche Inhalte noch immer „ein geeignetes Medium“. Es werde auch benötigt, so Haarkötter, „in der Ausbildung, im Studium oder auch im beruflichen und praktischen Alltag.“

Die wichtigsten Präsentations- und Darstellungsformen werden erörtert und viele Beispiele und Tipps für die journalistische Praxis gegeben. Dabei geht es um das Schreiben im Netz, um Multimedia-Reportagen, ums Bloggen und um den Social Journalism, also um journalistische Inhalte in den sozialen Netzwerken.

Und wer es richtig drauf haben möchte, erfährt, das HTML – „Die Sprache des Webs“ ist, wie „richtig verlinkt“ wird, man Webseiten mit CSS „gut aussehen lässt“ oder dass HTML 5 das „WWW für Fortgeschrittene ist“.

Das Buch ist optisch wie inhaltlich gut aufgemacht. Es enthält über 160 farbige Abbildungen, unzählige Hilfestellungen wie Checklisten, Tipps & Tricks, Infokästen sowie Lesetipps, die direkt zu dieser Website und den dort hinterlegten Links zu weiterführender Literatur führen.

„Die digitale Welt ist eine Welt der schnellen Information“, schreibt der Kommunikationswissenschaftler Hektor Haarkötter im Vorwort seines im Februar 2019 erschienenen Handbuches zum Online-Journalismus.

„Und selbst wenn wir von »Longform Journalism« reden, meinen wir Texte, die vielleicht einige Zehntausend, nicht aber einige Hundertausend Zeichen haben.“

Es wird auch erklärt, wie man Videos und Podcasts ins Netz stellt, wie man mit seinem Smartphone journalistisch aktiv wird und wie man mit Daten Geschichten erzählen kann.

Haarkötter: „Das Projekt der Darstellung des »Computational Journalism«, wie man es im unvermeidbaren Denglish ausdrückt, treibt mich schon länger um.“

Konkret geht es im vorliegenden Buch um die Frage, wie der Computer und die Digitalisierung den Journalismus inhaltlich, aber auch handwerklich verändern. Der Autor und die Motor- und Reisejournalistin Evelyn Runge liefern dazu die Antworten im Abschnitt „mobile reporting“.

Weitere Auszüge aus dem Inhalt:

Online schreiben, multimedial erzählen, selbst bloggen. Wie sozial sind Social Media? Dabei gehts  vor allem um die journalistisch relevantesten Netzwerke wie Facebook, Twitter, Instagram und Messenger. Unter „Bewegtes Netz“ spielen vor allem Video und Audio eine prominente Rolle. Das Kapitel „Mobiler Journalismus“ beschreibt, wie Journalismus auf und aus dem Handy produziert wird. Digitales Erzählen, also „vom Storytelling zum Scrollytelling. Schließlich wird noch der Datenjournalismus thematisiert.

Im Buch wird auch die im Zusammenhang immer wieder gestellte Frage thematisiert „Sind Blogger überhaupt Journalisten?“ Danach befragt, sagte Markus Beckedahl (Gründer von netzpolitik.org):

„Ich bin als Aktivist gestartet, habe aber mit der Zeit festgestellt, dass mich vor allem Journalisten immer mehr als Journalist bezeichnet haben. Ich habe mir vieles beigebracht durch Ausprobieren, Abgucken, Lesen und bin über die Jahre zum Journalisten geworden.“

Eigentlich fühle er sich noch immer als „Blogger“, so Beckedahl. „Das heißt, wir sagen, wir sind Blogger, die journalistisch arbeiten.“

Haarkötter untersucht auch die Gründerphase der sogenannten „Blogosphäre“. Markus Beckedahl und sein Mitstreiter André Meister hatten oft Ärger mit den Behörden. Im Frühjahr 2015 sahen sich dem Vorwurf ausgesetzt, „Staatsfeinde“ zu sein. Ihr Blog netzpolitik.org veröffentlichte zweimal Ausschnitte aus einem als vertraulich eingestuften Bericht des Verfassungsschutzes. Die Verfassungsschützer wollten eine neue Einheit zur Überwachung des Internets aufbauen, um die Verbindungen von Extremisten in sozialen Netzwerken zu analysieren.

Ich empfehle die Lektüre des über 400-Seiten starken Handbuchs für Online-Journalismus „Journalismus.Online“. Das Buch ist für Einsteiger und Fortgeschrittene lesenswert. Enthält zu vergleichbaren Fachbüchern sehr viel Aktuelles und geht Streitthemen nicht aus dem Weg. Bemerkenswert sind auch Literatur- und Linkquellen.

Und lernen können „wir Blogger“ auch sehr viel. Oder hätten Sie gewusst, das der Programmierer John Berger den Begriff „Weblog“ schon im Jahr 1997 einführte? Beim Webdesigner Peter Merholz tauchte die heute weltweit geläufige Abkürzung erstmals 1999 auf (Quelle: Geschichte und Typologie der Blogosphäre, aus Journalismus.online, S. 201).

„Wir konnten nicht unser gesamtes Material auswerten“, resümiert Hektor Haarkötter, „aber Nachfolgewerke sind nicht ausgeschlossen.“

Zum Buch gibt es eine Website mit weiterführendem Blog, die laufend aktualisiert wird. 

Zur Person:

Hektor Haarkötter, Prof. Dr., lehrt Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt politische Kommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Zuvor hat er viele Jahre als Filmemacher und Regisseur gearbeitet und dafür unter anderem auch den Columbus-Filmpreis in Gold gewonnen.

Haarkötter über Haarkötter: „Ich bin auch Journalist. Aus Leidenschaft“.

"Es war ein langer Weg vom Zeitungsboten zum digitalen Newsroom heutiger Online-Redaktionen." - Foto: Hektor Haarkötter/Knut Kuckel
„Es war ein langer Weg vom Zeitungsboten zum digitalen Newsroom heutiger Online-Redaktionen.“ – Foto: Hektor Haarkötter/Knut Kuckel

Praktischer Journalismus:

Journalismus.online: Das Handbuch zum Online-Journalismus von Hektor Haarkötter, Herbert von Halem Verlag, dt. ISBN 978-3-7445-1108-7, 424 S., 165 farb. Abb., Broschur, 240 x 170 mm, 35,00 EUR.

Leseprobe (PDF/Herbert von Halem Verlag)

Weblink: Journalismus.online

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Von
Knut Kuckel
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