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Journalismus hat Zukunft – Wenn wir unserer Verantwortung gerecht werden

Journalismus hat Zukunft , Foto: MediaNews.Blog

Presse- und Meinungsfreiheit sollten in guten Demokratien Kulturgut sein. Und dennoch wird heute der kritische Journalismus auch bei uns zunehmend in Frage gestellt. Journalismus hat nur dann Zukunft, wenn Medien und Journalisten gemeinsam ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden.

Überall dort, wo Rechtspopulisten und Nationalisten Regierungsmacht ausüben, wird kritischer Journalismus eingeschränkt oder verhindert. 

Diese Entwicklung zeichnet sich nicht nur in Europa ab. Reporter ohne Grenzen schreibt zur Bekanntgabe seiner aktuellen Rangliste der Pressefreiheit:

„Medienfeindliche Rhetorik führender Politiker, restriktive Gesetze und politische Einflussnahme in Demokratien haben zu einer Verschlechterung der Lage für Journalisten und Medien weltweit beigetragen.“

„Besonders erschreckend ist, dass auch Demokratien immer stärker unabhängige Medien und Journalisten einschränken, anstatt die Pressefreiheit als Grundwert hochzuhalten“, sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. „Demokratische Regierungen dürfen den Autokraten der Welt durch Überwachungsgesetze oder demonstrative Geringschätzung unabhängiger Medien keinen Vorwand für ihre Repression gegen Journalisten liefern.“

Kritische Journalisten werden bedroht, verhaftet oder eingeschüchtert. Öffentlich-Rechtliche Medien politisch unter Druck gesetzt.

Und wir alle machen mit. Diskutieren öffentlich über den „Vertrauensverlust der Medien“, über die Qualität im Journalismus“ und vervielfältigen damit täglich die Meinungen derer, die angetreten sind, unser freiheitlich-rechtliches Mediensystem zu zerstören. Aus Eigeninteresse. Sind wir noch bei Trost?

Die Feinde des kritischen Journalismus‘ sitzen schon längst, dank politischer Mehrheiten, in Aufsichts- oder Rundfunkräten. Es ist allerhöchste Zeit, dass sich Journalisten und Medien wehren.

Mit jedem Rechtspopulisten, der in ein Parlament einzieht, wird die Pressefreiheit ein Stück weiter beschnitten. Auch Deutschland ist davon betroffen.

Die AfD schreibt in ihr Wahlkampfprogramm, ARD und ZDF abschaffen zu wollen. Wir berichten oft nur zwischen den Zeilen darüber. Das ist zu wenig. Netzwerke sollten sich bilden, die sich gegen diese Entwicklung wehren.

Journalismus spiegelt den Wert unserer Gesellschaft. „Der Journalismus“ ist so gut und so schlecht wie „seine Gesellschaft“. Wenn wir also über die Qualität im Journalismus debattieren, dann streiten wir immer auch über die Qualität unserer Werte-Gesellschaft. Es geht in Zeiten wie diesen um mehr als nur um die „Qualitätssicherung im Journalismus“.

Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung können sich auch Medienunternehmer nicht mehr länger entziehen.

Wer kritischen Medien den Krieg erklärt, sollte in keiner anständigen Demokratie Regierungsmacht ausüben dürfen. Wir zeigen mit dem Finger immer auf die üblich Verdächtigen, die Presse- und Medienfreiheit beschneiden oder abschaffen. Dabei sitzen die politischen Gegner einer freien und unabhängigen Presse schon längst in unseren Parlamenten. Jüngstes Beispiel, der ORF in Österreich. Da wird ein Journalist unter dem Einfluss einer rechtspopulistischen Partei in den Aufsichtsgremien öffentlich zerlegt.

Cathrin Kahlweit schreibt in der Süddeutschen Zeitung zum öffentlichen Streit über den kritischen Fernsehjournalisten Armin Wolf: ORF-Manager Prantner, der auf einem FPÖ-Ticket zu seinem Posten kam, sagt, es sei „unzumutbar für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn das TV-Studio wie ein Verhörraum oder eine Anklagebank wirkt“. 

Journalistinnen und Journalisten sind im deutschsprachigen Europa entsetzt. Aber eine breite Öffentlichkeit schaut weg. Wie so oft.

Alle, die zum Thema Medien- und Pressefreiheit keine Meinung haben, tragen mit Schuld, wenn weltweit Politiker an Einfluss gewinnen, die kritischen Journalismus verhindern oder öffentlichem Druck aussetzen. 

Journalisten und Medien sollten sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Trotz vieler wirtschaftlicher Zwänge und ohne Rücksicht auf irgendwelche Konkurrenzsituationen. 

Journalismus hat Zukunft. Wenn wir das wollen.

Wir brauchen mehr Journalistinnen und Journalisten, die sich nicht einschüchtern lassen und einen guten Job machen. Denen sollten wir den Rücken stärken. Das entspricht einem gesamtgesellschaftlichen Interesse.

Aus: MediaNews.Blog

Der Autor

Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
→ „MediaNews.Blog" – Das Informationsportal MediaNews.Blog informiert über die Themenbereiche Medien, Journalismus und Kommunikation. Versteht sich auch als Forum für die Qualität im Journalismus, für Aus- und Weiterbildung in den Medien.
→ "OnMyWay.Photos" - mein Foto-Blog. Mit Bildern und Kurzgeschichten von unterwegs. 

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