Die Nachrichtenprofis von Laszlo Trankovits – Ein „Plädoyer für den Qualitätsjournalismus“, Infografik: dpa
Die Nachrichtenprofis von Laszlo Trankovits – Ein „Plädoyer für den Qualitätsjournalismus“, Infografik: dpa

Die Nachrichtenprofis von Laszlo Trankovits – Ein „Plädoyer für den Qualitätsjournalismus“

Die Nachricht, die Grundlage des Journalismus, ist in Gefahr. Viele halten den Strom verlässlicher, objektiver Nachrichten für so selbstverständlich wie das Wasser aus dem Hahn. Richtig ist in der Tat, dass Nachrichten für die Demokratie genauso lebensnotwendig sind wie Wasser für den Menschen. Denn die verlässliche und relevante Nachricht ist auch unerlässlich für eine aufgeklärte Gesellschaft. Demokratie braucht informierte Bürger. Aber die Versorgung mit Nachrichten ist immer stärker bedroht.

In seinem Buch „Die Nachrichtenprofis“ schildert Laszlo Trankovits die gravierenden Folgen für eine demokratische Gesellschaft, die den Wert der nüchternen, relevanten Nachricht und ihrer Produzenten – die professionellen Journalisten – nicht mehr erkennt, respektiert und finanziert.

Denn die Medien stehen mehr denn je am Pranger. Glaubwürdigkeit und Ansehen des journalistischen Berufsstands haben sichtlich gelitten. Ob es um das Drama der syrischen Flüchtlinge oder die Krise Griechenlands, den Terroranschlag auf Charlie Hebdo oder die Tragödie des Germanwings-Flugs 4U9525 geht: Die Berichterstattung der Medien wird vor allem von einer neuen Öffentlichkeit im Internet heftig kritisiert.

Rechte Populisten schimpfen auf eine „Lügenpresse“, linke Ideologen sehen in der „bürgerlichen“ Presse ohnehin nur korrupte Handlanger des Kapitals. Aber auch in der breiten Öffentlichkeit wächst das Misstrauen gegen „die Medien“ – zur Politikverdrossenheit hat sich längst auch Medienüberdruss gesellt.

Viele meinen gar, angesichts der globalen Vernetzung und der Optionen von sozialen Plattformen wie Twitter, Facebook oder Periscope brauche es die traditionellen Medien und die professionellen Journalisten gar nicht mehr. Cyber-Utopisten, durchaus ernst genommen auch von vielen verunsicherten Journalisten, glauben gar an eine neue „fünfte Gewalt“ im Internet, an eine Art „Schwarmjournalismus“. Medien und Redaktionen, hauptberufliche Reporter und Redakteure seien bald überflüssig. Wer den professionellen Journalismus verteidige, diene nur überholten Standesinteressen.

Herausgefordert werden die Medien zudem von den Digital-Giganten Google und Facebook ebenso wie von weltweit populären Portalen wie Buzzfeed oder Upworthy. Groß ist die Zahl jener digitalen Unternehmen, die die Menschheit künftig mit Nachrichten versorgen möchte – und damit traditionelle Medien weitgehend ersetzen könnten.

Bedroht ist der Strom verlässlicher, nüchterner Nachrichten aber auch von gutmeinenden Reformern des in mancher Hinsicht krisengeschüttelten Journalismus. Mit „guten“ und „konstruktiven“ Nachrichten sollen mehr Aufmerksamkeit und neuer Kredit in der Öffentlichkeit gewonnen werden.

Von allen Seiten wird die Nachricht angegriffen. Mit dem scheinheiligen Argument, wirkliche Objektivität gäbe es nicht, öffnen manche Medien heute der Parteilichkeit und Emotionalität Tür und Tor. Eine Moralisierung des Alltags sorgt für eine Bewertung von Nachrichten nicht mehr nach Wahrheit und Relevanz, sondern nach der angeblichen Nützlichkeit im gesellschaftlichen Diskurs.

Trankovits argumentiert, dass gerade in dieser aufgewühlten Welt voll schriller Stimmen der vielen Trolle, Wutbürger, Gutmenschen, Ideologen und politisch Korrekten der sachliche, nüchterne Nachrichtenjournalismus eine enorme Bedeutung hat. Pädagogische Ansätze, die Leser, Zuschauer oder User vor dem Bösen der Welt schützen und positive Sichtweisen fördern zu wollen, haben demnach im seriösen Journalismus nichts verloren.

Laszlo Trankovits warnt vor dem Irrglauben, der Journalismus sei als „vierte Gewalt“ in der Demokratie ersetzbar. Zwar haben die traditionellen Medien das Privileg verloren, die Öffentlichkeit mit Nachrichten zu versorgen. Auch ringen Informationsmedien – insbesondere Zeitungen und Zeitschriften – mit der Umsonst-Mentalität des Internets. Aber Strukturwandel und Krisen ändern nichts an der überragenden Bedeutung des hochwertigen Journalismus für die demokratische Gesellschaft.

Das Buch „Die Nachrichtenprofis“ ist ein Plädoyer für den professionellen Qualitätsjournalismus – der ein ganz besonderes Fundament im klassischen Nachrichtengeschäft hat. Denn kaum ein Medium ist angesichts der aktuellen Herausforderungen und des neuen Kriegs um die Nachrichtenhoheit gezwungen, schneller, flexibler und kreativer zu reagieren als eine Nachrichtenagentur, ein Dienstleister aller Medien.

An der Entwicklung, den Krisen und Konzepten der Deutschen Presse-Agentur (dpa) spiegelt Trankovits die aktuellen Probleme des seriösen Journalismus und beschreibt seine Optionen in der digitalen Zeit. Im grellen Licht der digitalen Revolution mit ihren verwirrenden Informationsfluten wird deutlich, welche überragende Rolle unabhängige Nachrichtenagenturen für die Demokratie und eine zunehmend fragmentierte, desorientierte Gesellschaft spielen kann.

Gerade eine Agentur wie dpa, die zu den wenigen wirklich unabhängigen Nachrichtenagenturen in der Welt gehört, sollte demnach nach Ansicht des Autors als ein Glücksfall für Medien und Gesellschaft angesehen werden. Beim Ringen der größten deutschen Nachrichtenagentur um Überleben und Erfolg in der neuen digitalen Ära geht es deshalb nicht nur um Journalismus – es geht auch um die Zukunft der demokratischen Gesellschaft in der digitalen Ära.

Der Autor

Laszlo Trankovits war über 35 Jahre Büroleiter und Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur (dpa), unter anderem in den USA, im Nahen Osten, in Italien und Afrika. 1994 bis 2003 war er Landesbüroleiter in Hessen, Rheinland Pfalz und dem Saarland. Derzeit lebt er in New York und ist als Repräsentant der dpa-Geschäftsführung für die Umsetzung von dpa-Projekten in den USA verantwortlich.

+++Die Nachrichtenprofis+++: Warum Qualitätsjournalismus für unsere Demokratie unverzichtbar ist (dpa) Gebundene Ausgabe – 19. Oktober 2015, von Laszlo Trankovits (Autor)

Quelle: → Media @journalistblog

Knut Kuckel

Journalist + Online-Publizist. Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestfunk (SWF), Baden-Baden, heute Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk.
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